Logopädie Praxis Kosmos
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Redefluss Arzt / Ärztin Kinder, Jugendliche und Erwachsene

RE1 – Störungen des Redeflusses – Stottern

Stottern (Balbuties)

Fachliche Beschreibung – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Stottern als Redeflussstörung mit unfreiwilligen Wiederholungen, Dehnungen und Blockierungen von Lauten, Silben oder Wörtern. Häufig verbunden mit sekundären Symptomen (Mitbewegungen, Vermeideverhalten) und emotionaler/sozialer Belastung.

Allgemeinverständlich – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Beim Stottern stockt der Redefluss – Laute, Silben oder Wörter werden unwillkürlich wiederholt ('Ich-ich-ich möchte...'), gedehnt ('Iiiiich möchte...') oder der Mund öffnet sich, aber kein Laut kommt raus (Blockierung). Stottern ist keine Nervosität und kein mangelndes Selbstbewusstsein. Es entsteht durch eine neurologische Verarbeitungsbesonderheit. Logopädie kann Stottern nicht immer beseitigen, hilft aber enorm im Umgang damit.

Zugeordnete ICD-10-Codes – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Verordnung – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Heilmittel Sprechtherapie (30, 45 oder 60 Min), Gruppentherapie (45 oder 90 Min)
Höchstmenge je VO 10
Orient. Behandlungsmenge 50
Frequenzempfehlung 1–2x wöchentlich
Frequenz-Detail 1-2x/Woche. Bei Intensivtherapien (z.B. Kasseler Stottertherapie) auch Blockformat.
Kombinierbar mit RE2

Verordnungsbeispiel – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Heilmittelbereich Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie
Indikationsschlüssel RE1
Leitsymptomatik RE1a
Diagnose Stottern
ICD-10 F98.5
Therapiebedarf Sprechtherapie 45 Min.
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 1x wöchentlich

Leitsymptomatiken – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

RE1a Schädigung des Redeflusses (Stottern)

Unfreiwillige Wiederholungen, Dehnungen und Blockierungen. Sekundärsymptome (Mitbewegungen, Vermeidung).

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung des Redeflusses
  • Abbau von Vermeideverhalten
  • Aufbau von Sprechsicherheit

Diagnostik – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Eingangsdiagnostik (Arzt) – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

  • Organbefund
  • Sprachstatus

Weiterführende Diagnostik – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

  • Stotter-Diagnosetest (SSI-4)
  • Videodokumentation des Sprechens

Logopädische Testverfahren – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Test Zweck Zeitpunkt
SSI-4 (Stuttering Severity Instrument) Schweregradeinschätzung Stottern Erstdiagnostik

Therapieverfahren – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Fluency Shaping (z.B. Kasseler Stottertherapie) hoch

Erlernen einer neuen, fließenden Sprechweise. Oft als Intensivtherapie.

Geeignet für: Jugendliche und Erwachsene

Stottermodifikation (nach Van Riper) mittel-hoch

Akzeptanz des Stotterns, Veränderung der Stottermomente, Abbau von Vermeidung.

Geeignet für: Alle Altersgruppen

Van Riper

RESTART-DCM (Kinder) mittel

Nachfrage-Kapazitäten-Modell. Therapie passt Umgebungsanforderungen an die Sprechkapazitäten des Kindes an. Elternberatung zentral.

Geeignet für: Vorschulkinder

Lidcombe-Programm hoch

Verhaltenstherapeutischer Ansatz für Kinder. Eltern geben strukturiertes Feedback.

Geeignet für: Vorschulkinder (2-6 Jahre)

Onslow et al.

Prognose – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Bei Kindern unter 6 Jahren: ca. 70-80% Spontanremission. Bei persistierendem Stottern ab Schulalter: Therapie kann Redefluss deutlich verbessern, vollständige Heilung aber selten.

Typische Therapiedauer: 50 Einheiten, oft darüber hinaus

Einflussfaktoren – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

  • Alter bei Beginn
  • Familiäre Belastung
  • Begleitende Sprachstörung
  • Therapiemotivation

Red Flags – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Plötzliches Stottern bei Erwachsenen ohne Vorgeschichte Zum Neurologen

Kann auf neurologische Ursache hindeuten (z.B. Schlaganfall, Tumor). Neurogenes Stottern ausschließen.

Fallbeispiel – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Titel: Max, 5 Jahre – beginnendes Stottern

Text: Max stottert seit 6 Monaten zunehmend. Wiederholungen und erste Blockierungen. Elternberatung nach RESTART-DCM. Eltern lernen, den Sprechdruck zu reduzieren. Nach 20 Einheiten: Stottern deutlich reduziert.

Häufige Verordnungsfehler – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

  • Zu kurze Behandlungsmenge – Stottern erfordert bis zu 50 Einheiten
  • Verwechslung mit Poltern (RE2) – beide können gleichzeitig auftreten

Extrabudgetär – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Hinweis Extrabudgetär:

F98.5 (Stottern) bei RE1 ist NICHT in Anlage 2. Q90.x bei RE1 ist LHB. Q99.2 bei RE1 ist LHB.

Kosten & Kostenübernahme – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV):

Die Kosten der Logopädie werden bei vorliegender Heilmittelverordnung von der gesetzlichen Krankenkasse getragen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Zuzahlung befreit. Erwachsene leisten eine gesetzliche Zuzahlung. Eine Befreiung ist bei Erreichen der Belastungsgrenze möglich.

Private Krankenversicherung (PKV):

Die Kostenübernahme ist tarifabhängig. Bitte klären Sie vor Therapiebeginn die Erstattung mit Ihrer Versicherung und der behandelnden Praxis.

Verwandte Diagnosegruppen – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Häufige Fragen (FAQ) – RE1 Störungen des Redeflusses – Stottern

Kann Stottern geheilt werden?

Bei Kindern unter 6: hohe Spontanremissionsrate. Bei Erwachsenen: Therapie kann den Redefluss deutlich verbessern, eine vollständige Heilung ist aber selten.

Mein Kind stottert plötzlich – muss ich sofort zum Logopäden?

Zunächst beobachten. Entwicklungsstottern bei 2-5-Jährigen ist häufig und geht oft von selbst. Wenn es länger als 6 Monate anhält oder zunimmt: Logopädie-Beratung empfohlen.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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