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Schlucken Arzt / Ärztin Kinder und Erwachsene

SC – Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Dysphagie (Schluckstörung) bei neurologischen, onkologischen oder strukturellen Erkrankungen

Fachliche Beschreibung – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Störungen des Schluckakts in einer oder mehreren Phasen (oral präparatorisch, oral, pharyngeal, ösophageal). Ursachen: neurologisch (Schlaganfall, Parkinson, ALS, MS, Demenz), onkologisch (nach Kopf-Hals-Tumor-OP oder Bestrahlung), strukturell (Zenker-Divertikel, Achalasie, Stenosen) oder altersbedingt (Presbyphagie). Häufige Komplikation: Aspiration mit Aspirationspneumonie.

Allgemeinverständlich – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Menschen mit Dysphagie haben Schwierigkeiten beim Schlucken – Essen oder Trinken gelangt in die falsche Richtung, in die Luftröhre (Aspiration) statt in die Speiseröhre. Das kann gefährlich sein (Lungenentzündung) und macht Essen zur Qual. Ursachen sind häufig Schlaganfälle, Parkinson oder Krebserkrankungen im Hals-Bereich. Logopädie hilft, das Schlucken sicherer zu machen und Aspirationen zu vermeiden – oft mit gezielten Übungen, Haltungsänderungen oder angepassten Kostformen.

Zugeordnete ICD-10-Codes – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

R13.1 – Dysphagie R13.10 – Dysphagie, nicht näher bezeichnet R13.11 – Dysphagie, oropharyngeal R13.12 – Dysphagie, oropharyngeal mit Aspiration R13.13 – Dysphagie, ösophageal Z93.0 – Tracheostoma K22.0 – Achalasie des Ösophagus K22.2 – Ösophagusobstruktion K22.5 – Ösophagusdivertikel (Zenker-Divertikel) J69.0 – Pneumonie durch Nahrung oder Erbrochenes (Aspirationspneumonie) E41 – Alimentärer Marasmus R64 – Kachexie I60.0 – Subarachnoidalblutung, von Karotissiphon ausgehend I60.9 – Subarachnoidalblutung, nicht näher bezeichnet I61.0 – Intrazerebrale Blutung in die Großhirnhemisphäre, subkortikal I61.9 – Intrazerebrale Blutung, nicht näher bezeichnet I63.0 – Hirninfarkt durch Thrombose präzerebraler Arterien I63.9 – Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet I64 – Schlaganfall, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet I69.0 – Folgen einer Subarachnoidalblutung I69.1 – Folgen einer intrazerebralen Blutung I69.3 – Folgen eines Hirninfarktes I69.4 – Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet G10 – Huntington-Krankheit G11.0 – Angeborene nichtprogressive Ataxie G11.1 – Früh beginnende zerebelläre Ataxie G11.2 – Spät beginnende zerebelläre Ataxie G11.9 – Hereditäre Ataxie, nicht näher bezeichnet G12.0 – Infantile spinale Muskelatrophie, Typ I [Werdnig-Hoffmann] G12.1 – Sonstige vererbte spinale Muskelatrophie G12.2 – Motoneuron-Krankheit (ALS) G12.8 – Sonstige spinale Muskelatrophien G12.9 – Spinale Muskelatrophie, nicht näher bezeichnet G14 – Postpoliosyndrom G20.1- – Primäres Parkinson-Syndrom mit mäßiger bis schwerer Beeinträchtigung (Hoehn/Yahr 3–4) G20.2- – Primäres Parkinson-Syndrom mit schwerster Beeinträchtigung (Hoehn/Yahr 5) G35.0 – Erstmanifestation einer multiplen Sklerose G35.1- – MS mit vorherrschend schubförmigem Verlauf G35.2- – MS mit primär-chronischem Verlauf G35.3- – MS mit sekundär-chronischem Verlauf G35.9 – Multiple Sklerose, nicht näher bezeichnet G36.0 – Neuromyelitis optica [Devic-Krankheit] G37.2 – Zentrale pontine Myelinolyse G37.9 – Demyelinisierende Krankheit des ZNS, n.n.b. G70.0 – Myasthenia gravis G70.2 – Angeborene und entwicklungsbedingte Myasthenie G71.0- – Muskeldystrophie G71.1 – Myotone Syndrome G71.2 – Angeborene Myopathien G71.3 – Mitochondriale Myopathie G72.4 – Entzündliche Myopathie (Dermatomyositis/Polymyositis) G73.6* – Myopathie bei Stoffwechselerkrankungen G80.0 – Spastische tetraplegische Zerebralparese G80.1 – Spastische diplegische Zerebralparese G80.2 – Infantile hemiplegische Zerebralparese G80.3 – Dyskinetische Zerebralparese G80.9 – Infantile Zerebralparese, nicht näher bezeichnet G93.1 – Anoxische Hirnschädigung, anderenorts nicht klassifiziert G93.80 – Apallisches Syndrom (Wachkoma / Vegetative State) G30.0 – Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn G30.1 – Alzheimer-Krankheit mit spätem Beginn C10.9 – Bösartige Neubildung: Oropharynx C32.9 – Bösartige Neubildung: Kehlkopf, nicht näher bezeichnet T90.5 – Folgen einer intrakraniellen Verletzung B94.1 – Folgezustände der Virusenzephalitis Q01.9 – Enzephalozele, nicht näher bezeichnet Q03.9 – Angeborener Hydrozephalus, nicht näher bezeichnet Q04.9 – Angeborene Fehlbildung des Gehirns, nicht näher bezeichnet Q05.9 – Spina bifida, nicht näher bezeichnet Q87.0 – Angeborene Fehlbildungssyndrome mit vorwiegend das Gesicht betreffenden Veränderungen Q90.0 – Trisomie 21 durch meiotische Non-disjunction Q90.9 – Down-Syndrom, nicht näher bezeichnet F84.2 – Rett-Syndrom E74.0 – Glykogenspeicherkrankheiten E75.0 – GM2-Gangliosidose (Tay-Sachs / Sandhoff) E76.0 – Mukopolysaccharidose, Typ I (Hurler / Scheie / Hurler-Scheie) T20.3 – Verbrennung 3. Grades des Kopfes und des Halses T20.7 – Verätzung 3. Grades des Kopfes und des Halses Z99.0 – Abhängigkeit (langzeitig) vom Aspirator Z99.1 – Abhängigkeit (langzeitig) vom Respirator C70.0 – Bösartige Neubildung der Hirnhäute C71.9 – Bösartige Neubildung: Gehirn, nicht näher bezeichnet

Verordnung – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Heilmittel Schlucktherapie (30, 45 oder 60 Min)
Höchstmenge je VO 10
Orient. Behandlungsmenge 60
Frequenzempfehlung 1–5x wöchentlich
Frequenz-Detail 1-5x/Woche. In der Akutphase nach Schlaganfall möglichst täglich. Bei Parkinson/ALS regelmäßig 1-2x/Woche.
Kombinierbar mit SP5, SP6, SP7, SF

Verordnungsbeispiel – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Heilmittelbereich Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie
Indikationsschlüssel SC
Leitsymptomatik SCa
Diagnose Dysphagie nach Hirninfarkt
ICD-10 I63.9
Therapiebedarf Schlucktherapie 60 Min.
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 5x wöchentlich

Leitsymptomatiken – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

SCa Schädigung des Schluckens (Dysphagie)

Störung des Schluckakts in einer oder mehreren Phasen (oral, pharyngeal, ösophageal). Aspirationsgefahr.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung des Schluckablaufs
  • Aspirationsprophylaxe
  • Kostformanpassung
  • Training von Schlucktechniken und Haltungsänderungen

Diagnostik – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Eingangsdiagnostik (Arzt) – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

  • Videoendoskopie (FEES)
  • Videofluoroskopie (VFSS)
  • Neurologische Untersuchung

Weiterführende Diagnostik – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

  • Videoendoskopie
  • Videofluoroskopie
  • Sonographie
  • Röntgenkontrastuntersuchung
  • Videostroboskopie

Logopädische Testverfahren – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Test Zweck Zeitpunkt
FEES (Fiberendoskopische Evaluation des Schluckakts) Goldstandard apparative Schluckdiagnostik Bei Verdacht auf Aspiration
VFSS (Videofluoroskopie) Röntgen-Schluckuntersuchung Ergänzend zu FEES
Wassertest / Daniels-Test Klinisches Screening Ersteinschätzung
GUSS (Gugging Swallowing Screen) Strukturiertes Dysphagie-Screening Akutklinik

Therapieverfahren – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Fazio-orale Trakt-Therapie (F.O.T.T.) mittel

Ganzheitlicher Ansatz für schwer betroffene Patienten. Arbeitet an der gesamten orofazialen Funktion.

Geeignet für: Schwere neurogene Dysphagie

Kay Coombes

Funktionelle Dysphagietherapie (FDT) hoch

Übungsbasierte Therapie: Schluckmanöver (Mendelsohn, supraglottisches Schlucken), Stimulation, Haltungsänderungen.

Geeignet für: Neurogene Dysphagie

Kostformberatung / Diätanpassung hoch

Anpassung der Nahrungskonsistenz an die Schluckfähigkeit (IDDSI-Skala).

Geeignet für: Alle Dysphagien

IDDSI Framework

Prognose – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Abhängig von Ursache. Schlaganfall: gute Erholung bei vielen Patienten (50-70% in ersten Wochen). Progrediente Erkrankungen (ALS, Parkinson): Ziel ist Erhaltung und Kompensation.

Typische Therapiedauer: 60 Einheiten. Bei progredienten Erkrankungen langfristig.

Einflussfaktoren – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

  • Grunderkrankung
  • Schweregrad der Aspiration
  • Ernährungszustand
  • Kognition und Compliance

Red Flags – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Wiederholt Fieber und Husten nach dem Essen Dringend zum Arzt

Hinweis auf rezidivierende Aspirationspneumonie. FEES/VFSS dringend empfohlen.

Ungewollter Gewichtsverlust > 5% in 3 Monaten Zeitnah zum Arzt

Hinweis auf Mangelernährung durch Dysphagie. Kostform und ggf. Sondenernährung prüfen.

Fallbeispiel – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Titel: Herr B., 75 Jahre – Dysphagie nach Schlaganfall

Text: Herr B. verschluckt sich nach seinem Schlaganfall regelmäßig an Flüssigkeiten. FEES zeigt Aspiration bei Flüssigkeiten. Die Schlucktherapie beginnt auf der Stroke Unit. Nach 4 Wochen: sicheres Schlucken mit angedickten Flüssigkeiten. Nach 3 Monaten: normale Flüssigkeiten möglich.

Häufige Verordnungsfehler – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

  • SC nicht gleichzeitig mit SP5/SP6 bei Schlaganfall – obwohl Dysphagie fast immer begleitend vorliegt
  • Fehlende FEES oder Videofluoroskopie als Eingangsdiagnostik bei unklarem Aspirationsrisiko
  • Zu niedrige Behandlungsfrequenz – bei akuter Dysphagie nach Schlaganfall oft 5x/Woche nötig

Extrabudgetär – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Hinweis Extrabudgetär:

SC ist die Diagnosegruppe mit den meisten extrabudgetären Zuordnungen. Fast alle neurologischen SC-relevanten Diagnosen sind LHB oder BVB. R13 (Dysphagie) ist ab 70. LJ als geriatrisches Syndrom BVB. Strukturelle Dysphagien (K22.0, K22.5) sind NICHT extrabudgetär.

Kosten & Kostenübernahme – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV):

Die Kosten der Logopädie werden bei vorliegender Heilmittelverordnung von der gesetzlichen Krankenkasse getragen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Zuzahlung befreit. Erwachsene leisten eine gesetzliche Zuzahlung. Eine Befreiung ist bei Erreichen der Belastungsgrenze möglich.

Private Krankenversicherung (PKV):

Die Kostenübernahme ist tarifabhängig. Bitte klären Sie vor Therapiebeginn die Erstattung mit Ihrer Versicherung und der behandelnden Praxis.

Verwandte Diagnosegruppen – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Häufige Fragen (FAQ) – SC Krankhafte Störungen des Schluckaktes – Dysphagie

Was tun bei Schluckproblemen nach Schlaganfall?

Sofort eine Schluckdiagnostik (FEES oder Videofluoroskopie) veranlassen. Logopädie (SC) so früh wie möglich beginnen. In der Akutphase möglichst tägliche Therapie.

Muss mein Angehöriger eine Magensonde bekommen?

Nicht unbedingt. Eine PEG-Sonde ist eine Möglichkeit, wenn orale Ernährung vorübergehend nicht sicher ist. Ziel der Schlucktherapie ist, die orale Ernährung wiederherzustellen oder zu verbessern.

Kann Schluckstörung im Alter behandelt werden?

Ja. Dysphagie ab dem 70. Lebensjahr fällt als BVB nicht ins Arztbudget. Schlucktherapie ist in jedem Alter wirksam.

Quellen & weiterführende Links

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Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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