Logopädie Praxis Kosmos
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Sprache Arzt / Ärztin Kinder und Erwachsene

SP4 – Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Sprach-/Sprechstörung bei Schwerhörigkeit, Taubheit, CI

Fachliche Beschreibung – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Störungen des Sprechens und der Sprache sekundär bedingt durch hochgradige Schwerhörigkeit oder Taubheit, auch bei Cochlea-Implantat-Versorgung oder Hörgeräteversorgung.

Allgemeinverständlich – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Menschen mit hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit können Sprache oft nicht richtig wahrnehmen und deshalb auch nicht korrekt nachahmen oder sprechen. Nach einer Cochlea-Implantat-Operation (CI) müssen Betroffene das Hören und Sprechen oft neu erlernen – das ist ein langer Prozess, der intensive logopädische Begleitung braucht.

Zugeordnete ICD-10-Codes – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Verordnung – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Heilmittel Sprachtherapie (30, 45 oder 60 Min)
Höchstmenge je VO 20
Orient. Behandlungsmenge 50
Frequenzempfehlung 1–3x wöchentlich
Frequenz-Detail 1-3x pro Woche. Nach CI-Erstanpassung oft intensivere Phase mit 2-3x/Woche. Langfristige Begleitung nötig.

Verordnungsbeispiel – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Heilmittelbereich Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie
Indikationsschlüssel SP4
Leitsymptomatik SP4a
Diagnose Sprachstörung bei Taubheit, Z.n. CI bds.
ICD-10 H90.3
Therapiebedarf Sprachtherapie 45 Min.
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 2x wöchentlich

Leitsymptomatiken – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

SP4a Schädigung der rezeptiven Sprachfunktionen

Eingeschränktes Sprachverständnis aufgrund der Hörstörung. Lautsprachrezeption über Hörgerät oder CI eingeschränkt.

Typische Therapieziele:
  • Aufbau des Hörverständnisses mit CI/Hörgerät
  • Verbesserung der auditiven Differenzierung
  • Erweiterung des rezeptiven Wortschatzes
SP4b Schädigung der expressiven Sprachfunktionen

Eingeschränkte Sprachproduktion. Artikulation, Prosodie und Stimmgebung durch fehlende auditive Rückkopplung beeinträchtigt.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung der Artikulation
  • Training der Stimmkontrolle und Prosodie
  • Erweiterung des expressiven Wortschatzes
SP4c Schädigung der Sprechmotorik

Eingeschränkte Sprechmotorik als Folge fehlender auditiver Rückmeldung.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung der mundmotorischen Koordination
  • Training der Sprechmelodie

Diagnostik – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Eingangsdiagnostik (Arzt) – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

  • Tonaudiogramm
  • Organbefund
  • Sprachstatus

Weiterführende Diagnostik – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

  • Audiologische Diagnostik
  • Sprachentwicklungsdiagnostik

Logopädische Testverfahren – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Test Zweck Zeitpunkt
EARS (Evaluation of Auditory Responses to Speech) Erfassung der Hör-Sprach-Entwicklung nach CI Im Verlauf
SETK 3-5 / SETK-2 Sprachentwicklungstest Verlaufsdiagnostik

Therapieverfahren – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Auditory-Verbal Therapy (AVT) hoch

Hör-Sprach-Therapie mit Fokus auf Lautsprache über das Hören. Eltern werden als primäre Sprachmodelle einbezogen.

Geeignet für: Kinder mit CI, Kinder mit Hörgeräten

AG Bell Academy

Natürlicher Hörgerichteter Ansatz (NHA) mittel

Alltagsnahe Therapie, die das Hören in natürlichen Situationen fördert.

Geeignet für: Kinder mit CI und Hörgeräten

Prognose – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Stark abhängig vom Zeitpunkt der Hörgeräte-/CI-Versorgung. Je früher, desto besser die Sprachentwicklung. Bei CI-Versorgung im 1. Lebensjahr oft nahezu altersgerechte Sprachentwicklung möglich.

Typische Therapiedauer: Langzeittherapie über Jahre. Orientierende Menge 50 Einheiten wird oft mehrfach ausgeschöpft.

Einflussfaktoren – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

  • Zeitpunkt der Hörgeräte-/CI-Versorgung
  • Grad der Hörstörung
  • Regelmäßige Tragezeit der Hörgeräte/CI
  • Elternmitarbeit
  • Zusätzliche Behinderungen

Red Flags – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Säugling reagiert nicht auf laute Geräusche Dringend – sofort zum HNO/Pädaudiologen

Neugeborenen-Hörscreening ggf. wiederholen. Frühzeitige Versorgung entscheidend.

Fallbeispiel – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Titel: Emma, 14 Monate – CI-Versorgung bei Taubheit

Text: Emma wird im Neugeborenen-Screening als beidseitig taub identifiziert. Mit 10 Monaten erhält sie bilateral Cochlea-Implantate. Die Logopädie beginnt 4 Wochen nach Erstanpassung, 2x wöchentlich. Mit 2,5 Jahren spricht Emma erste Zweiwortsätze. Die Therapie wird langfristig fortgesetzt.

Häufige Verordnungsfehler – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

  • Verwechslung mit SP1 bei Kindern – SP4 ist spezifisch für hochgradige Schwerhörigkeit/Taubheit
  • Zu niedrige Behandlungsmenge je VO – bei CI-Versorgung oft 20 Einheiten je VO nötig

Extrabudgetär – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Hinweis Extrabudgetär:

SP4 ist als Diagnosegruppe pauschal nicht in Anlage 2 gelistet. Einzelne Hörstörungs-Codes können bei schwerer Ausprägung per individuellem Antrag LHB-Genehmigung erhalten.

Kosten & Kostenübernahme – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV):

Die Kosten der Logopädie werden bei vorliegender Heilmittelverordnung von der gesetzlichen Krankenkasse getragen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Zuzahlung befreit. Erwachsene leisten eine gesetzliche Zuzahlung. Eine Befreiung ist bei Erreichen der Belastungsgrenze möglich.

Private Krankenversicherung (PKV):

Die Kostenübernahme ist tarifabhängig. Bitte klären Sie vor Therapiebeginn die Erstattung mit Ihrer Versicherung und der behandelnden Praxis.

Häufige Fragen (FAQ) – SP4 Störungen des Sprechens/der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

Wie lange braucht mein Kind nach CI-Versorgung Logopädie?

In der Regel mehrere Jahre. Die intensivste Phase ist das erste Jahr nach Erstanpassung. Danach wird die Frequenz reduziert, aber langfristige Begleitung ist meist nötig.

Kann mein Kind mit CI normal sprechen lernen?

Bei frühzeitiger Versorgung (1. Lebensjahr) und konsequenter Therapie erreichen viele Kinder eine nahezu altersgerechte Lautsprachentwicklung. Die Ergebnisse sind individuell sehr unterschiedlich.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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