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Sprache Arzt / Ärztin Erwachsene (nach Abschluss der Sprachentwicklung)

SP5 – Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Aphasie, Dysphasie (erworbene Sprachstörung bei Erwachsenen)

Fachliche Beschreibung – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Erworbene Störungen der Sprache nach abgeschlossener Sprachentwicklung, z.B. nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumor oder Encephalitis. Umfasst alle Aphasieformen (Broca, Wernicke, global, amnestisch, Leitungsaphasie) sowie Dysphasien und kognitiv-kommunikative Störungen.

Allgemeinverständlich – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Nach einem Schlaganfall oder einer anderen Hirnverletzung können Betroffene plötzlich nicht mehr sprechen, lesen, schreiben oder Sprache verstehen – obwohl ihr Mund und ihre Zunge körperlich in Ordnung sind. Das nennt sich Aphasie. Manchmal fehlen nur einzelne Wörter (Wortfindungsstörung), manchmal ist die Kommunikation fast vollständig unterbrochen. Mit Logopädie kann vieles zurückgewonnen werden, aber der Prozess dauert oft Monate bis Jahre.

Zugeordnete ICD-10-Codes – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

I60.0 – Subarachnoidalblutung, von Karotissiphon ausgehend I60.1 – Subarachnoidalblutung, von A. cerebri media ausgehend I60.2 – Subarachnoidalblutung, von A. communicans anterior ausgehend I60.3 – Subarachnoidalblutung, von A. communicans posterior ausgehend I60.4 – Subarachnoidalblutung, von A. basilaris ausgehend I60.5 – Subarachnoidalblutung, von A. vertebralis ausgehend I60.6 – Subarachnoidalblutung, von sonstigen intrakraniellen Arterien I60.7 – Subarachnoidalblutung, von n.n.b. intrakranieller Arterie I60.8 – Sonstige Subarachnoidalblutung I60.9 – Subarachnoidalblutung, nicht näher bezeichnet I61.0 – Intrazerebrale Blutung in die Großhirnhemisphäre, subkortikal I61.1 – Intrazerebrale Blutung in die Großhirnhemisphäre, kortikal I61.2 – Intrazerebrale Blutung, Großhirnhemisphäre n.n.b. I61.3 – Intrazerebrale Blutung in den Hirnstamm I61.4 – Intrazerebrale Blutung in das Kleinhirn I61.5 – Intrazerebrale intraventrikuläre Blutung I61.6 – Intrazerebrale Blutung an mehreren Lokalisationen I61.8 – Sonstige intrazerebrale Blutung I61.9 – Intrazerebrale Blutung, nicht näher bezeichnet I63.0 – Hirninfarkt durch Thrombose präzerebraler Arterien I63.1 – Hirninfarkt durch Embolie präzerebraler Arterien I63.2 – Hirninfarkt durch n.n.b. Verschluss präzerebraler Arterien I63.3 – Hirninfarkt durch Thrombose zerebraler Arterien I63.4 – Hirninfarkt durch Embolie zerebraler Arterien I63.5 – Hirninfarkt durch nicht näher bezeichneten Verschluss I63.6 – Hirninfarkt durch Thrombose der Hirnvenen I63.8 – Sonstiger Hirninfarkt I63.9 – Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet I64 – Schlaganfall, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet I69.0 – Folgen einer Subarachnoidalblutung I69.1 – Folgen einer intrazerebralen Blutung I69.2 – Folgen einer sonstigen nichttraumatischen intrakraniellen Blutung I69.3 – Folgen eines Hirninfarktes I69.4 – Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet I69.8 – Folgen sonstiger zerebrovaskulärer Krankheiten G35.0 – Erstmanifestation einer multiplen Sklerose G35.1- – MS mit vorherrschend schubförmigem Verlauf G35.2- – MS mit primär-chronischem Verlauf G35.3- – MS mit sekundär-chronischem Verlauf G35.9 – Multiple Sklerose, nicht näher bezeichnet G30.0 – Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn G30.1 – Alzheimer-Krankheit mit spätem Beginn F01.1 – Vaskuläre Demenz mit vorwiegend kortikalem Beginn (Multi-Infarkt-Demenz) F02.8 – Demenz bei sonstigen anderenorts klassifizierten Krankheiten G31.0 – Umschriebene Hirnatrophie (Frontotemporale Demenz) C71.9 – Bösartige Neubildung: Gehirn, nicht näher bezeichnet S06.3 – Diffuse Hirnverletzung (Schädel-Hirn-Trauma) T90.5 – Folgen einer intrakraniellen Verletzung R47.0 – Dysphasie und Aphasie Q99.2 – Fragiles X-Chromosom B94.1 – Folgezustände der Virusenzephalitis G36.0 – Neuromyelitis optica [Devic-Krankheit] G36.1 – Akute und subakute hämorrhagische Leukoenzephalitis G36.8 – Sonstige akute disseminierte Demyelinisation G36.9 – Akute disseminierte Demyelinisation, n.n.b. G37.0 – Diffuse Hirnsklerose G37.1 – Zentrale Demyelinisation des Corpus callosum G37.2 – Zentrale pontine Myelinolyse G37.3 – Myelitis transversa acuta bei demyelinisierender Krankheit des ZNS G37.4 – Subakute nekrotisierende Myelitis G37.5 – Konzentrische Sklerose [Baló-Krankheit] G37.8 – Sonstige demyelinisierende Krankheiten des ZNS G37.9 – Demyelinisierende Krankheit des ZNS, n.n.b.

Verordnung – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Heilmittel Sprachtherapie (30, 45 oder 60 Min), Gruppentherapie (45 oder 90 Min)
Höchstmenge je VO 20
Orient. Behandlungsmenge 60
Frequenzempfehlung 1–5x wöchentlich
Frequenz-Detail Akutphase: möglichst 3-5x/Woche. Subakut: 2-3x/Woche. Chronisch: 1-2x/Woche + Eigenübungen.
Kombinierbar mit SP6, SC

Verordnungsbeispiel – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Heilmittelbereich Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie
Indikationsschlüssel SP5
Leitsymptomatik SP5b
Diagnose Aphasie nach Hirninfarkt
ICD-10 I63.9
Therapiebedarf Sprachtherapie 60 Min.
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 3x wöchentlich

Leitsymptomatiken – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

SP5a Schädigung der rezeptiven Sprachfunktionen (Sprachverständnis)

Sprachverständnis eingeschränkt. Reicht von leichten Problemen bei komplexen Sätzen bis zum vollständigen Verständnisverlust.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung des auditiven Sprachverständnisses
  • Wiederaufbau Leseverständnis
  • Erarbeitung von Kompensationsstrategien
SP5b Schädigung der expressiven Sprachfunktionen (Sprachproduktion)

Sprachproduktion eingeschränkt. Wortfindungsstörungen, Agrammatismus, Paraphasien.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung der Wortfindung
  • Aufbau grammatischer Strukturen
  • Verbesserung der Schriftsprache
SP5c Schädigung der kognitiv-sprachlichen Funktionen

Kognitive Kommunikationsstörung. Beeinträchtigung von Textverständnis, Inferenzbildung, Diskursplanung.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung der Textverarbeitung
  • Training kommunikativer Strategien
  • Alltagstransfer

Diagnostik – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Eingangsdiagnostik (Arzt) – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

  • Sprachstatus
  • Organbefund
  • neurologischer Befund
  • Aachener Aphasietest (AAT) sobald testfähig

Weiterführende Diagnostik – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

  • Hirnleistungsdiagnostik
  • Bildgebung (MRT/CT)
  • Neuropsychologische Tests
  • Sprachanalyse

Logopädische Testverfahren – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Test Zweck Zeitpunkt
AAT (Aachener Aphasie Test) Goldstandard Aphasiediagnostik Ab 4-6 Wochen
AABT (Bedside-Test) Frühphase-Screening Ab den ersten Tagen
Token Test Sprachverständnisprüfung Jederzeit
BIAS Schnelle Ersteinschätzung Bei Aufnahme
CETI Alltagskommunikation Fremdeinschätzung Im Verlauf

Therapieverfahren – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

CIAT/CILT (Constraint-Induced Language Therapy) hoch

Intensive Sprachtherapie, bei der sprachliche Kommunikation erzwungen wird (keine Gesten).

Geeignet für: Subakute und chronische Aphasie, vor allem Broca

S2e-Leitlinie Aphasie

PACE-Therapie mittel

Kommunikationsorientiert. Alle Kanäle (Sprechen, Gestik, Zeichnen, Schreiben) erlaubt.

Geeignet für: Alle Aphasieformen, besonders schwere

Modellorientierte Aphasietherapie (Stadie/Schröder) mittel

Individuelle Therapieplanung basierend auf dem Logogenmodell.

Geeignet für: Individuelle Defizitmuster

Stadie & Schröder

Sprachsystematische Therapie (NAT) mittel

Systematischer Aufbau auf Wort-, Satz- und Textebene.

Geeignet für: Mittlere bis leichte Aphasie

Neubert, Rüffer, Zeh-Hau

Prognose – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Stärkste Erholung in den ersten 3-6 Monaten. Auch nach Jahren Verbesserungen möglich.

Typische Therapiedauer: 60 Einheiten werden bei mittlerer bis schwerer Aphasie meist ausgeschöpft. Oft deutlich mehr nötig.

Einflussfaktoren – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

  • Größe und Lokalisation der Läsion
  • Schweregrad der initialen Aphasie
  • Alter
  • Therapieintensität (mind. 5-10 Std/Woche empfohlen)
  • Motivation und soziales Umfeld

Verlaufsphasen – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Akut (0-4 Wochen)

Spontanremission + erste Therapie. Höchste Plastizität.

Subakut (1-6 Monate)

Intensivste Phase. Größte Fortschritte.

Chronisch (ab 6 Monate)

Langsamere Verbesserungen. Alltagstransfer und Kompensation.

Red Flags – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Plötzliche Sprachstörung, Lähmung, Gesichtshälfte hängt Notfall – 112

FAST-Regel: Face, Arms, Speech, Time.

Verschlechterung nach zunächst guter Erholung Dringend – sofort zum Arzt

Möglicher Re-Infarkt oder Krampfanfall.

Neue Schluckprobleme mit Verschlucken Zeitnah zum Arzt

Aspirationsgefahr. SC-Verordnung prüfen.

Fallbeispiel – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Titel: Herr M., 62 Jahre – Aphasie nach Mediainfarkt

Text: Herr M. wird mit plötzlichem Sprachverlust eingeliefert. CT zeigt Mediainfarkt links. Logopädie beginnt auf Stroke Unit. Nach 6 Wochen mittelschwere Broca-Aphasie. Nach 1 Jahr: Alltagskommunikation möglich, Wortfindungsstörungen bestehen weiter.

Häufige Verordnungsfehler – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

  • SP5 bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörung – korrekt SP1
  • Zu geringe Behandlungsmenge – bei Aphasie sind 20 Einheiten je VO möglich
  • Fehlender AAT (Aachener Aphasietest) als Diagnostiknachweis
  • SP5 ohne gleichzeitige SC-Verordnung bei Schlaganfall mit Schluckstörung

Extrabudgetär – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Hinweis Extrabudgetär:

Viele SP5-relevante Diagnosen sind BVB (Schlaganfall: 1 Jahr nach Akutereignis) oder LHB (MS, Zerebralparese). Demenz-assoziierte Aphasie (G30, F01, F02, F03) ist teilweise BVB (ab 70. LJ als geriatrisches Syndrom über SC, nicht über SP5).

Kosten & Kostenübernahme – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV):

Die Kosten der Logopädie werden bei vorliegender Heilmittelverordnung von der gesetzlichen Krankenkasse getragen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Zuzahlung befreit. Erwachsene leisten eine gesetzliche Zuzahlung. Eine Befreiung ist bei Erreichen der Belastungsgrenze möglich.

Private Krankenversicherung (PKV):

Die Kostenübernahme ist tarifabhängig. Bitte klären Sie vor Therapiebeginn die Erstattung mit Ihrer Versicherung und der behandelnden Praxis.

Verwandte Diagnosegruppen – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Häufige Fragen (FAQ) – SP5 Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung

Wie viele Stunden Logopädie bekomme ich nach Schlaganfall?

Pro Verordnung 10 Einheiten. Insgesamt bis zu 60 vorgesehen. Bei schwerem Verlauf darüber hinaus möglich.

Wer bezahlt die Logopädie nach Schlaganfall?

Die Krankenkasse. Zuzahlung 10% + 10€ pro Verordnung. Im ersten Jahr extrabudgetär (BVB).

Wie schnell sollte Logopädie nach Schlaganfall beginnen?

So früh wie möglich. Im Krankenhaus ab Tag 1-2. Ambulant bei Dringlichkeit innerhalb 14 Tagen.

Kann Logopädie auch zu Hause stattfinden?

Ja, Hausbesuch und Teletherapie sind möglich.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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