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Sprechen Arzt / Ärztin Kinder und Erwachsene

SP6 – Störungen der Sprechmotorik

Dysarthrie, Dysarthrophonie, Sprechapraxie

Fachliche Beschreibung – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Störungen der neuralen Steuerungs- und Regelungsmechanismen der Sprechmotorik: Schwäche, Verlangsamung, Fehlkoordination, veränderter Muskeltonus, hyperkinetische Symptome. Betrifft Atmung, Phonation, Resonanz, Artikulation und Prosodie. Sprechapraxie: Störung der motorischen Planung des Sprechens ohne primäre Muskelschwäche.

Allgemeinverständlich – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Menschen mit Dysarthrie sprechen undeutlich, zu leise, zu schnell oder mit veränderter Stimme – nicht weil sie die Wörter nicht kennen, sondern weil die Muskeln für das Sprechen durch eine neurologische Erkrankung nicht mehr richtig funktionieren. Bei Parkinson klingt die Stimme oft monoton und zu leise. Nach einem Schlaganfall kann das Sprechen verwaschen oder angestrengt klingen. Logopädie hilft, die vorhandenen Fähigkeiten zu stärken und die Verständlichkeit zu verbessern.

Zugeordnete ICD-10-Codes – SP6 Störungen der Sprechmotorik

G20.0- – Primäres Parkinson-Syndrom ohne/mit geringer Beeinträchtigung (Hoehn/Yahr 0–2) G20.1- – Primäres Parkinson-Syndrom mit mäßiger bis schwerer Beeinträchtigung (Hoehn/Yahr 3–4) G20.2- – Primäres Parkinson-Syndrom mit schwerster Beeinträchtigung (Hoehn/Yahr 5) G21.3 – Postenzephalitisches Parkinson-Syndrom G21.4 – Vaskuläres Parkinson-Syndrom G21.8 – Sonstiges sekundäres Parkinson-Syndrom G35.0 – Erstmanifestation einer multiplen Sklerose G35.1- – MS mit vorherrschend schubförmigem Verlauf G35.2- – MS mit primär-chronischem Verlauf G35.3- – MS mit sekundär-chronischem Verlauf G35.9 – Multiple Sklerose, nicht näher bezeichnet G10 – Huntington-Krankheit G11.0 – Angeborene nichtprogressive Ataxie G11.1 – Früh beginnende zerebelläre Ataxie G11.2 – Spät beginnende zerebelläre Ataxie G11.3 – Zerebelläre Ataxie mit defektem DNA-Reparatursystem G11.4 – Hereditäre spastische Paraplegie G11.8 – Sonstige hereditäre Ataxien G11.9 – Hereditäre Ataxie, nicht näher bezeichnet G12.0 – Infantile spinale Muskelatrophie, Typ I [Werdnig-Hoffmann] G12.1 – Sonstige vererbte spinale Muskelatrophie G12.2 – Motoneuron-Krankheit (ALS) G12.8 – Sonstige spinale Muskelatrophien G12.9 – Spinale Muskelatrophie, nicht näher bezeichnet G14 – Postpoliosyndrom G23.1 – Progressive supranukleäre Blickparese [Steele-Richardson-Olszewski] G25.5 – Chorea, sonstige und nicht näher bezeichnete G70.0 – Myasthenia gravis G70.2 – Angeborene und entwicklungsbedingte Myasthenie G71.0- – Muskeldystrophie G71.1 – Myotone Syndrome G71.2 – Angeborene Myopathien G71.3 – Mitochondriale Myopathie G72.4 – Entzündliche Myopathie (Dermatomyositis/Polymyositis) G73.6* – Myopathie bei Stoffwechselerkrankungen G80.0 – Spastische tetraplegische Zerebralparese G80.1 – Spastische diplegische Zerebralparese G80.2 – Infantile hemiplegische Zerebralparese G80.3 – Dyskinetische Zerebralparese G80.4 – Ataktische Zerebralparese G80.8 – Sonstige infantile Zerebralparese G80.9 – Infantile Zerebralparese, nicht näher bezeichnet I60.0 – Subarachnoidalblutung, von Karotissiphon ausgehend I60.9 – Subarachnoidalblutung, nicht näher bezeichnet I61.0 – Intrazerebrale Blutung in die Großhirnhemisphäre, subkortikal I61.9 – Intrazerebrale Blutung, nicht näher bezeichnet I63.9 – Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet I64 – Schlaganfall, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet I69.3 – Folgen eines Hirninfarktes S06.3 – Diffuse Hirnverletzung (Schädel-Hirn-Trauma) T90.5 – Folgen einer intrakraniellen Verletzung C71.9 – Bösartige Neubildung: Gehirn, nicht näher bezeichnet B94.1 – Folgezustände der Virusenzephalitis R47.1 – Dysarthrie und Anarthrie G36.0 – Neuromyelitis optica [Devic-Krankheit] G37.2 – Zentrale pontine Myelinolyse G37.9 – Demyelinisierende Krankheit des ZNS, n.n.b. T20.3 – Verbrennung 3. Grades des Kopfes und des Halses T20.7 – Verätzung 3. Grades des Kopfes und des Halses

Verordnung – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Heilmittel Sprechtherapie (30, 45 oder 60 Min), Gruppentherapie (45 oder 90 Min)
Höchstmenge je VO 20
Orient. Behandlungsmenge 60
Frequenzempfehlung 1–5x wöchentlich
Frequenz-Detail 1-5x/Woche je nach Phase. Bei Parkinson oft LSVT-LOUD-Intensivphase (4x/Woche über 4 Wochen). Bei ALS frühzeitige, regelmäßige Therapie.
Kombinierbar mit SP5, SC, ST1

Verordnungsbeispiel – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Heilmittelbereich Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie
Indikationsschlüssel SP6
Leitsymptomatik SP6a
Diagnose Dysarthrie bei Parkinson
ICD-10 G20.1-
Therapiebedarf Sprechtherapie 60 Min.
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 4x wöchentlich (LSVT LOUD)

Leitsymptomatiken – SP6 Störungen der Sprechmotorik

SP6a Schädigung der Sprechmotorik (Dysarthrie / Dysarthrophonie)

Dysarthrie/Dysarthrophonie: Schwäche, Verlangsamung oder Fehlkoordination der Sprechmuskulatur. Betrifft Atmung, Phonation, Resonanz, Artikulation, Prosodie.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung der Artikulationsgenauigkeit
  • Erhöhung der Sprechlautstärke
  • Optimierung der Atemstützfunktion für das Sprechen
SP6b Schädigung der Sprechmotorik (Sprechapraxie)

Sprechapraxie: Störung der motorischen Planung des Sprechens ohne primäre Muskelschwäche. Suchbewegungen, inkonstante Fehler.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung der Sprechplanung
  • Aufbau automatisierter Sprechmuster
  • Erarbeitung von Selbstkorrekturstrategien

Diagnostik – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Eingangsdiagnostik (Arzt) – SP6 Störungen der Sprechmotorik

  • Organbefund
  • Lupen-laryngoskopischer Befund
  • Sprachstatus oder Stimmstatus
  • Neurologischer Befund

Weiterführende Diagnostik – SP6 Störungen der Sprechmotorik

  • Neuropsychologische Tests
  • Elektrophysiologische Tests
  • Stroboskopischer Befund
  • Endoskopische Diagnostik

Logopädische Testverfahren – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Test Zweck Zeitpunkt
Frenchay Dysarthrie Assessment Standardisierte Dysarthrie-Diagnostik Erstdiagnostik
Bogenhausener Dysarthrieskalen (BoDyS) Differenzierte Dysarthriediagnostik Erstdiagnostik

Therapieverfahren – SP6 Störungen der Sprechmotorik

LSVT LOUD (Lee Silverman Voice Treatment) hoch

Intensivtherapie über 4 Wochen (4x/Woche). Fokus auf lautes Sprechen. Primär für Parkinson entwickelt.

Geeignet für: Parkinson-Dysarthrie, hypophone Störungen

Ramig et al.

Sprechapraxie-Therapie nach TAKTKIN mittel

Taktil-kinästhetische Therapie: Der Therapeut gibt dem Patienten taktile Hinweise für Artikulationsbewegungen.

Geeignet für: Sprechapraxie

Birner-Janusch

Orofaziale Regulation nach Castillo Morales mittel

Sensomotorische Stimulation der Gesichts- und Mundmuskulatur.

Geeignet für: Schwere Dysarthrie, ICP, muskuläre Hypotonie

Castillo Morales

Prognose – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Stark abhängig von der Grunderkrankung. Bei Schlaganfall: gute Erholungschancen. Bei progredienten Erkrankungen (ALS, Parkinson): Ziel ist möglichst lange Erhaltung der Sprechfähigkeit und rechtzeitige UK-Versorgung.

Typische Therapiedauer: 60 Einheiten. Bei progredienten Erkrankungen langfristiger Bedarf.

Einflussfaktoren – SP6 Störungen der Sprechmotorik

  • Grunderkrankung (stabil vs. progredient)
  • Schweregrad
  • Therapieintensität
  • Zeitpunkt des Therapiebeginns

Red Flags – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Plötzlich verwaschene Sprache ohne bekannte neurologische Erkrankung Notfall – 112

Kann Schlaganfall-Zeichen sein.

Rasch zunehmende Sprechunverständlichkeit bei bekannter ALS Zeitnah zum Neurologen/Logopäden

UK-Versorgung rechtzeitig einleiten.

Fallbeispiel – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Titel: Frau K., 68 Jahre – Dysarthrie bei Parkinson

Text: Frau K. wird wegen zunehmend leiser und undeutlicher Sprache überwiesen. LSVT-LOUD-Intensivtherapie (4x/Woche, 4 Wochen). Danach deutlich lautere und verständlichere Sprache. Erhaltungstherapie 1x/Woche.

Häufige Verordnungsfehler – SP6 Störungen der Sprechmotorik

  • Verwechslung von Dysarthrie und Aphasie – Dysarthrie ist eine Sprechmotorikstörung, keine Sprachstörung
  • SP6 ohne gleichzeitige SC-Verordnung bei Parkinson/ALS mit Schluckproblemen
  • Zu niedrige Behandlungsfrequenz bei progredienten Erkrankungen (ALS, Parkinson)

Extrabudgetär – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Hinweis Extrabudgetär:

Viele SP6-Diagnosen sind LHB (Parkinson G20.1-/G20.2-, MS, ALS, Huntington, Zerebralparese) oder BVB (Schlaganfall, Hirntumore). WICHTIG: Parkinson G20.0- (geringe Beeinträchtigung) ist NICHT extrabudgetär!

Kosten & Kostenübernahme – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV):

Die Kosten der Logopädie werden bei vorliegender Heilmittelverordnung von der gesetzlichen Krankenkasse getragen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Zuzahlung befreit. Erwachsene leisten eine gesetzliche Zuzahlung. Eine Befreiung ist bei Erreichen der Belastungsgrenze möglich.

Private Krankenversicherung (PKV):

Die Kostenübernahme ist tarifabhängig. Bitte klären Sie vor Therapiebeginn die Erstattung mit Ihrer Versicherung und der behandelnden Praxis.

Verwandte Diagnosegruppen – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Häufige Fragen (FAQ) – SP6 Störungen der Sprechmotorik

Was ist der Unterschied zwischen Dysarthrie und Aphasie?

Bei Dysarthrie funktioniert die Sprechmuskulatur nicht richtig – die Sprache klingt verwaschen. Bei Aphasie ist das Sprachsystem selbst gestört – Wörter fehlen oder werden verwechselt. Beides kann gleichzeitig auftreten.

Hilft LSVT LOUD wirklich bei Parkinson?

Ja, LSVT LOUD ist das am besten untersuchte Therapieverfahren bei Parkinson-Dysarthrie. Studien zeigen signifikante Verbesserungen der Lautstärke und Verständlichkeit.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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