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Stimme Arzt / Ärztin Kinder, Jugendliche und Erwachsene

ST1 – Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Organische Dysphonie, Recurrensparese, Stimmlippen-Erkrankungen, OP-Folgen

Fachliche Beschreibung – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Stimmstörungen mit organischer Ursache: Stimmlippen-Paresen (Recurrensparese durch Lähmung des N. recurrens oder N. vagus), strukturelle Veränderungen der Stimmlippen (Polypen, Knötchen, Reinke-Ödem, Granulome nach OP), hormonell bedingte Stimmstörungen, ZNS-bedingte Dysphonien.

Allgemeinverständlich – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Die Stimme ist heiser, rau, klingt belegt oder versagt – und dafür gibt es eine körperliche Ursache. Das können Knötchen oder Polypen auf den Stimmlippen sein (ähnlich wie Schwielen), eine Lähmung des Stimmlippennervs (z.B. nach einer Schilddrüsen-OP) oder Veränderungen durch hormonelle Umstellungen. Die Logopädie hilft, die verbleibenden stimmlichen Möglichkeiten optimal zu nutzen.

Zugeordnete ICD-10-Codes – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

J38.0 – Lähmung der Stimmlippen und des Kehlkopfes J38.00 – Lähmung der Stimmlippen, nicht näher bezeichnet J38.01 – Lähmung der Stimmlippen, einseitig J38.02 – Lähmung der Stimmlippen, beidseitig G52.2 – Lähmung des Nervus vagus (N. X) J38.1 – Stimmlippenpolyp J38.2 – Stimmlippenknötchen (Sängerknötchen / Schreiknötchen) J38.3 – Sonstige Erkrankungen der Stimmlippen (Reinke-Ödem, Kontaktgranulom) J38.4 – Ödem des Kehlkopfes J38.7 – Sonstige Krankheiten des Kehlkopfes D14.1 – Gutartige Neubildung des Kehlkopfes G51.0 – Fazialisparese (Bell-Lähmung) R49.0 – Dysphonie G20.2- – Primäres Parkinson-Syndrom mit schwerster Beeinträchtigung (Hoehn/Yahr 5) G35.0 – Erstmanifestation einer multiplen Sklerose G35.1- – MS mit vorherrschend schubförmigem Verlauf G35.2- – MS mit primär-chronischem Verlauf G35.3- – MS mit sekundär-chronischem Verlauf G35.9 – Multiple Sklerose, nicht näher bezeichnet I60.9 – Subarachnoidalblutung, nicht näher bezeichnet I61.9 – Intrazerebrale Blutung, nicht näher bezeichnet I63.9 – Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet I64 – Schlaganfall, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet I69.3 – Folgen eines Hirninfarktes T20.3 – Verbrennung 3. Grades des Kopfes und des Halses T20.7 – Verätzung 3. Grades des Kopfes und des Halses Z99.0 – Abhängigkeit (langzeitig) vom Aspirator Z99.1 – Abhängigkeit (langzeitig) vom Respirator B94.1 – Folgezustände der Virusenzephalitis C70.0 – Bösartige Neubildung der Hirnhäute C71.9 – Bösartige Neubildung: Gehirn, nicht näher bezeichnet C72.5 – Bösartige Neubildung: Sonstige Hirnnerven G36.0 – Neuromyelitis optica [Devic-Krankheit] G37.9 – Demyelinisierende Krankheit des ZNS, n.n.b. R49.1 – Aphonie R49.8

Verordnung – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Heilmittel Stimmtherapie (30, 45 oder 60 Min)
Höchstmenge je VO 10
Orient. Behandlungsmenge 20
Frequenzempfehlung 1–3x wöchentlich
Frequenz-Detail 1-2x/Woche.
Kombinierbar mit SP6

Verordnungsbeispiel – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Heilmittelbereich Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie
Indikationsschlüssel ST1
Leitsymptomatik ST1a
Diagnose Einseitige Recurrensparese
ICD-10 J38.01
Therapiebedarf Stimmtherapie 45 Min.
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 2x wöchentlich

Leitsymptomatiken – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

ST1a Schädigung der Stimme mit eingeschränkter stimmlicher Belastbarkeit

Z.B. eingeschränkte Lautstärke, Ausdauer, Tonhöhe und -umfang, Druck und Schmerz.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung der stimmlichen Belastbarkeit
  • Erweiterung des Stimmumfangs
  • Reduktion von Druckgefühl und Schmerz beim Sprechen
ST1b Schädigung der Stimme mit Heiserkeit, Beeinträchtigung des Stimmklangs

Z.B. Kombination von Rauigkeit und Behauchtheit, Heiserkeit bis zur Aphonie.

Typische Therapieziele:
  • Verbesserung des Stimmklangs
  • Reduktion der Heiserkeit
  • Wiederherstellung der Phonation
ST1c Schädigung der Stimme mit gestörter Phonationsatmung

Z.B. zu hoher Luftverbrauch beim Sprechen.

Typische Therapieziele:
  • Ökonomisierung der Phonationsatmung
  • Verbesserung der Atemstützfunktion
  • Verlängerung der maximalen Phonationsdauer

Diagnostik – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Eingangsdiagnostik (Arzt) – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

  • Lupen-laryngoskopischer Befund
  • Stroboskopischer Befund
  • Stimmstatus
  • Tonaudiogramm

Weiterführende Diagnostik – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

  • Videostroboskopie
  • Stimmfeldmessung
  • Elektroglottographie
  • Schallspektrographie

Logopädische Testverfahren – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Test Zweck Zeitpunkt
Stimmfeldmessung Objektive Messung Stimmumfang und -dynamik Erstdiagnostik, Verlauf
RBH-System Auditive Stimmbeurteilung (Rauigkeit, Behauchtheit, Heiserkeit) Erstdiagnostik
VHI (Voice Handicap Index) Selbsteinschätzung der stimmlichen Einschränkung Erstdiagnostik, Verlauf

Therapieverfahren – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Funktionale Stimmtherapie (Rabine, Rohmert) mittel

Physiologisch orientierte Stimmarbeit an Atmung, Phonation und Resonanz.

Geeignet für: Alle organischen Dysphonien

Akzentmethode nach Smith mittel

Rhythmische Körper- und Stimmbewegungen zur Verbesserung der Stimmproduktion.

Geeignet für: Recurrensparese, funktionelle Überlagerung

Smith

Manuelle Stimmtherapie (Münch/Dejonckere) mittel

Manuelle Techniken zur Lösung muskulärer Verspannungen im Kehlkopfbereich.

Geeignet für: Muskuläre Dysbalance bei organischer Ursache

Prognose – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Abhängig von der Ursache. Knötchen: bilden sich oft mit Stimmtherapie zurück (OP-Vermeidung). Recurrensparese: bei einseitiger Parese gute Kompensationschancen.

Typische Therapiedauer: 10-20 Einheiten

Einflussfaktoren – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

  • Art der organischen Ursache
  • Einseitig vs. beidseitig (bei Parese)
  • OP-Notwendigkeit
  • Stimmbelastung im Beruf

Red Flags – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Heiserkeit länger als 3 Wochen ohne Besserung Dringend zum HNO

Ausschluss bösartiger Veränderung zwingend erforderlich. Laryngoskopie vor Therapiebeginn Pflicht.

Fallbeispiel – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Titel: Frau B., 45 Jahre – Recurrensparese nach Schilddrüsen-OP

Text: Nach Schilddrüsen-OP links ist die Stimme hauchig und kraftlos. Laryngoskopie zeigt einseitige Recurrensparese. Stimmtherapie 2x/Woche über 3 Monate. Nach 20 Einheiten deutlich verbesserte Stimmkraft durch Kompensation der gesunden Stimmlippe.

Häufige Verordnungsfehler – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

  • ST1 statt ST2 bei funktioneller Dysphonie ohne organischen Befund
  • Fehlender Stroboskopiebefund als Eingangsdiagnostik
  • G52.2 (Vaguslähmung) als präziserer Code für Recurrensparese wird übersehen

Extrabudgetär – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Hinweis Extrabudgetär:

ST1 ist als Diagnosegruppe in Anlage 2 bei folgenden Diagnosen gelistet: Schlaganfall (I60-I69, BVB 1 Jahr), MS (G35, LHB), Parkinson G20.2- (LHB), Verbrennungen 3. Grades Kopf/Hals (T20.3/T20.7, LHB), außerklinische Intensivpflege (Z99.0 + Z43.0 (2. ICD-10 erforderlich), Z99.1, LHB). Standard-Kehlkopferkrankungen wie J38.x sind NICHT extrabudgetär.

Kosten & Kostenübernahme – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV):

Die Kosten der Logopädie werden bei vorliegender Heilmittelverordnung von der gesetzlichen Krankenkasse getragen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Zuzahlung befreit. Erwachsene leisten eine gesetzliche Zuzahlung. Eine Befreiung ist bei Erreichen der Belastungsgrenze möglich.

Private Krankenversicherung (PKV):

Die Kostenübernahme ist tarifabhängig. Bitte klären Sie vor Therapiebeginn die Erstattung mit Ihrer Versicherung und der behandelnden Praxis.

Verwandte Diagnosegruppen – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Häufige Fragen (FAQ) – ST1 Organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

Muss ich bei Stimmlippenknötchen operiert werden?

Nicht unbedingt. Stimmtherapie kann Knötchen oft zum Rückgang bringen. Eine OP wird meist erst empfohlen, wenn die Therapie nach 3-6 Monaten keinen Erfolg zeigt.

Erholt sich die Stimme nach einer Stimmlippenlähmung?

Bei einseitiger Recurrensparese: oft ja, durch Kompensation. Spontanerholung ist in den ersten 6-12 Monaten möglich. Stimmtherapie unterstützt den Prozess.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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