Logopädie Praxis Kosmos
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Verordnungsfähig

Offiziell im Heilmittelkatalog. Diagnosegruppe: SP1. Verordnung eindeutig.

KBV Diagnoseliste 2026 S.16: BVB bis 12. LJ mit SP1/SP2.

F80.2 – Rezeptive Sprachstörung

ICD-11-Äquivalent: 6A01.20

Auch gesucht unter: Rezeptive Sprachstörung Logopädie, Kind versteht nicht Logopädie, Sprachverständnisstörung Kind, Kind reagiert nicht auf Sprache, SES rezeptiv Therapie, Sprachverständnis fördern Kind, Kind versteht Anweisungen nicht, F80.2 Therapie, Sprachentwicklungsstörung rezeptiv, Logopädie Sprachverständnis Kind

Schwerwiegendere Form der SES. Pädaudiologische Abklärung vor Diagnose obligat. Therapieschwerpunkt liegt auf dem Sprachverständnis.

Logopädische Beschreibung – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

F80.2 beschreibt eine rezeptive Sprachentwicklungsstörung, bei der das Sprachverständnis beeinträchtigt ist. In der Regel ist zusätzlich die expressive Sprachproduktion betroffen, da Kinder, die Sprache nicht gut verstehen, sie auch schwerer aktiv anwenden. Typische logopädische Befunde: eingeschränktes Wortverständnis, Schwierigkeiten beim Verstehen von Satzstrukturen (z.B. Passiv, Nebensätze, Negation), Probleme beim Befolgen mehrteiliger Anweisungen, und in der expressiven Sprache Dysgrammatismus und Wortschatzdefizit. Die rezeptive SES ist schwerwiegender als die rein expressive (F80.1) und erfordert eine andere therapeutische Herangehensweise: Das Sprachverständnis muss vor der Sprachproduktion gefördert werden.

Typische Störungsbilder – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Eingeschränktes Wort-/Satzverständnis SP1 definierendes Merkmal

Kind versteht Wörter, Satzstrukturen oder Anweisungen nicht altersgemäß.

Sekundärer Dysgrammatismus und Wortschatzdefizit SP1 fast immer begleitend

Weil das Verständnis eingeschränkt ist, lernt das Kind sprachliche Regeln und Wörter langsamer.

Pragmatische Auffälligkeiten SP1 häufig

Kind reagiert nicht angemessen auf Fragen, schweift ab, gibt thematisch unpassende Antworten.

Einfach erklärt:

Ihr Kind hat Schwierigkeiten, Sprache zu verstehen. Es versteht vielleicht nicht, was Sie ihm sagen, reagiert nicht richtig auf Fragen oder Anweisungen, oder es scheint 'abwesend', obwohl es gut hören kann. Weil das Verstehen schwierig ist, ist meistens auch das Sprechen betroffen. Logopädie setzt beim Sprachverständnis an und arbeitet sich von dort zum aktiven Sprechen vor. Eine Hörstörung sollte vorher ausgeschlossen werden.

Logopädische Relevanz – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Häufigkeit hoch
Patient*innengruppe Kinder zwischen 3 und 10 Jahren. Jungen häufiger betroffen. Wird manchmal erst im Kindergarten auffällig, wenn Sprachverständnisanforderungen steigen.
Bedeutung F80.2 ist seltener als F80.1, aber die betroffenen Kinder benötigen oft längere und intensivere logopädische Behandlung.

Zugeordnete Diagnosegruppen – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.16: F80.1 mit SP1/SP2 als BVB bis 12. LJ. HMK 2.1: SP1 Beispieldiagnose.

Leitsymptomatik:

SP1b

Wann verordnen:

Wenn das Kind Sprache nicht altersgemäß versteht – auch wenn es oberflächlich so wirkt, als ob es versteht (Situationsverständnis kann intakt sein).

Begründung:

Rezeptive Sprachstörung fällt unter SP1 (Störungen der Sprache vor Abschluss der Sprachentwicklung). Typischerweise SP1b aufgrund des Schweregrads.

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.16: F80.1 auch mit SP2 gelistet.

Leitsymptomatik:

SP2

Wann verordnen:

Wenn neben dem Sprachverständnis auch die auditive Verarbeitung auf Lautdiskriminations-Ebene betroffen ist.

Begründung:

SP2 (auditive Wahrnehmungsstörung) kann zusätzlich relevant sein, wenn die auditive Verarbeitung betroffen ist.

Evidenz-Klassifizierung:
Offiziell (HMK) Abgeleitet & verifiziert Praxisempfehlung Nicht offiziell Nicht geprüft

Grün = Direkt im offiziellen Heilmittelkatalog (G-BA). Blau = Aus offiziellen Quellen ableitbar. Orange = Klinisch sinnvolle Ergänzung.

Verordnung & Praxistipps – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Typische Erstverordnung – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Diagnosegruppe SP1
Leitsymptomatik SP1b
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 2x wöchentlich
Therapiedauer 45 Min.

Häufige Verordnungsfehler – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

  • Kein pädaudiologisches Gutachten vor Verordnung – Hörstörung muss ausgeschlossen sein
  • Verordnung mit SP1a, obwohl rezeptive SES fast immer mittel- bis schwergradig ist
  • Frequenz zu niedrig (1x/Woche reicht bei F80.2 oft nicht aus)

Tipps für Ärzt*innen – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

  • F80.2 sollte immer mit SP1b verordnet werden. Eine pädaudiologische Abklärung vor Verordnung ist obligat. Empfehlen Sie 2x/Woche, da rezeptive SES eine intensivere Behandlung erfordert als rein expressive Formen.

Tipps für Patient*innen & Angehörige – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

  • Wenn Ihr Kind oft nicht versteht, was Sie sagen – auch wenn es gut hören kann – sprechen Sie den Kinderarzt auf Logopädie an. Lassen Sie vorher das Gehör untersuchen. In der Logopädie lernt Ihr Kind, Sprache besser zu verstehen, und darauf aufbauend besser zu sprechen.

Extrabudgetärer Status – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

SP1

Die Logopädie bei rezeptiver Sprachstörung fällt ins reguläre Arztbudget. Für Kinder unter 18 Jahren ist die Behandlung zuzahlungsfrei.

Therapieverlauf – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Therapiebeginn: Möglichst früh, ab ca. 3 Jahren

Setting: Ambulante Logopädie-Praxis

Therapieinhalte – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

  • Aufbau des Wortverständnisses über semantische Strategien und Visualisierungen
  • Satzverständnis systematisch erarbeiten (von einfach zu komplex)
  • Inputspezifizierung: Modellierung korrekter Sprachformen in verdichteter Form
  • Handlungsbegleitendes Sprechen als Brücke zum Verstehen
  • Intensive Elternanleitung: Wie spreche ich, damit mein Kind mich versteht?

Diagnostik – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Erstdiagnostik – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Test Zweck Zeitpunkt
SETK 3-5 / SET 5-10 Standardisierter Test mit expliziter Prüfung des Sprachverständnisses Erstbefund
TROG-D (Test zur Überprüfung des Grammatikverständnisses) Prüfung des Satzverständnisses auf verschiedenen grammatischen Komplexitätsstufen Erstbefund
PDSS – Subtest Sprachverständnis Differenzierte Prüfung des Wort- und Satzverständnisses Erstbefund
Pädaudiologische Untersuchung Ausschluss einer Hörstörung Vor Therapiebeginn

Verlaufsdiagnostik – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Test Zweck Zeitpunkt
TROG-D Wiederholung Kontrolle des Fortschritts im Satzverständnis Alle 20-30 Sitzungen

Red Flags – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Kind reagiert auch auf laute Ansprache nicht oder nur verzögert Dringend zum HNO-Arzt / Pädaudiologen

Muss zwischen Sprachverständnisstörung und Hörstörung differenziert werden.

Kein Blickkontakt, kein Zeigeverhalten, keine gemeinsame Aufmerksamkeit Zeitnah zum Kinderarzt / SPZ

Kann auf eine Autismus-Spektrum-Störung hindeuten. Logopädie ist dennoch indiziert, aber die Differentialdiagnose beeinflusst die Therapie.

Sprachverständnis verschlechtert sich nach zwischenzeitlicher Besserung Dringend zum Kinderarzt / Neuropädiater

Kann auf Landau-Kleffner-Syndrom (F80.3) hindeuten – eine erworbene Aphasie mit Epilepsie.

Prognose – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Die Prognose bei rezeptiver SES ist vorsichtiger als bei rein expressiver SES. Viele Kinder machen mit intensiver Logopädie gute Fortschritte, aber leichte Sprachverständnisprobleme – besonders bei komplexer Sprache – können bis ins Schulalter und darüber hinaus bestehen bleiben.

Einflussfaktoren – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

  • Schweregrad der rezeptiven Störung
  • Alter bei Therapiebeginn
  • Nonverbale kognitive Fähigkeiten
  • Intensität der Therapie
  • Elternmitarbeit und sprachliches Umfeld

Verwandte Codes – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Gleiche Diagnosegruppe – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Rein expressive Form – Sprachverständnis ist intakt, leichtere Ausprägung

Erworbene rezeptive Störung mit Epilepsie – akuter Beginn im Gegensatz zum schleichenden Verlauf bei F80.2

Differentialdiagnosen – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung kann ähnliche Symptome zeigen, betrifft aber die auditive Verarbeitung und nicht das Sprachsystem

Differentialdiagnose bei Sprachverständnisauffälligkeiten mit zusätzlichen sozialen Auffälligkeiten

Häufige Fragen – F80.2 Rezeptive Sprachstörung

Mein Kind hört gut, versteht aber oft nicht, was ich sage – was kann das sein?

Wenn das Gehör in Ordnung ist, kann eine rezeptive Sprachstörung (F80.2) vorliegen. Ihr Kind hat dann Schwierigkeiten, die Bedeutung von Wörtern oder Sätzen zu verarbeiten, obwohl es die Töne gut hören kann. Eine logopädische Diagnostik klärt das.

Warum muss das Gehör untersucht werden, bevor Logopädie beginnt?

Weil eine Hörstörung ähnliche Symptome verursachen kann wie eine rezeptive Sprachstörung. Wenn Ihr Kind schlecht hört, ist keine Sprachverständnistherapie nötig, sondern eine Hörgeräteversorgung. Deshalb ist der HNO-/Pädaudiologie-Besuch Pflicht.

Ist rezeptive Sprachstörung schlimmer als expressive?

In der Regel ja. Wenn das Sprachverständnis betroffen ist, hat das weitreichendere Auswirkungen auf die gesamte Sprachentwicklung und das schulische Lernen. Die Therapie dauert meist länger und ist intensiver.

Kann mein Kind mit rezeptiver Sprachstörung eine normale Schule besuchen?

Viele Kinder mit F80.2 besuchen eine Regelschule, manche benötigen sonderpädagogische Unterstützung im Bereich Sprache. Die Entscheidung hängt vom Schweregrad und den Fortschritten in der Logopädie ab. Frühzeitige und intensive Therapie verbessert die Chancen.

Wie lange braucht mein Kind Logopädie bei F80.2?

Rezeptive Sprachstörungen erfordern in der Regel eine längere Therapie als rein expressive. Viele Kinder werden über 1-3 Jahre behandelt, oft mit wechselnden Schwerpunkten (erst Verständnis, dann Produktion, dann Schriftsprache).

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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