Logopädische Beschreibung – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
F80.3 (Landau-Kleffner-Syndrom) ist eine seltene erworbene Sprachstörung im Kindesalter, die mit epileptischer Aktivität (v.a. im Schlaf-EEG) einhergeht. Typisch ist ein Verlust bereits erworbener sprachlicher Fähigkeiten – insbesondere des Sprachverständnisses – bei Kindern zwischen 3 und 7 Jahren. Die Kinder zeigen zunächst eine unauffällige Sprachentwicklung, verlieren dann über Wochen bis Monate rezeptive und expressive Fähigkeiten. In der logopädischen Therapie steht der Wiederaufbau des Sprachverständnisses und der Sprachproduktion im Vordergrund, ähnlich wie bei einer Aphasie im Erwachsenenalter, aber mit kindgerechten Methoden. Die Prognose ist sehr variabel.
Typische Störungsbilder – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Verlust des Sprachverständnisses – Kind kann Gesprochenes nicht mehr dekodieren, obwohl es peripher hören kann.
Aktive Sprache geht zurück, Kind wird zunehmend stumm oder kommuniziert nur noch gestisch.
Ihr Kind konnte schon gut sprechen und verstehen – und hat diese Fähigkeiten dann plötzlich oder schleichend verloren. Das Landau-Kleffner-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, bei der epileptische Hirnaktivität (oft nur im Schlaf nachweisbar) die Sprachzentren stört. Logopädie hilft, die verlorenen Fähigkeiten Schritt für Schritt wieder aufzubauen. Die Behandlung erfolgt parallel zur neurologischen/epileptologischen Therapie.
Logopädische Relevanz – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
| Häufigkeit | selten |
|---|---|
| Patient*innengruppe | Kinder zwischen 3 und 7 Jahren bei Erstmanifestation. Jungen häufiger betroffen. |
| Bedeutung | Das Landau-Kleffner-Syndrom ist selten (ca. 1:1.000.000). Betroffene Kinder benötigen aber intensive und langfristige Logopädie. |
Zugeordnete Diagnosegruppen – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
SP1b (schwere Ausprägung)
Sobald die Diagnose gesichert ist. Logopädie begleitend zur neurologischen Therapie.
Erworbene Aphasie im Kindesalter fällt unter SP1, da der Sprachverlust vor Abschluss der Sprachentwicklung auftritt.
Bei älteren Kindern/Jugendlichen nach Abschluss der Sprachentwicklung kann SP5 (erworbene Aphasie) passender sein.
Verordnung & Praxistipps – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Typische Erstverordnung – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
| Diagnosegruppe | SP1 |
|---|---|
| Leitsymptomatik | SP1b |
| Behandlungseinheiten | 10 |
| Frequenz | 2-3x wöchentlich |
| Therapiedauer | 45 Min. |
Häufige Verordnungsfehler – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
- Keine dringliche Behandlungsbedürftigkeit angekreuzt trotz akutem Sprachverlust
- Zu niedrige Frequenz – 1x/Woche reicht bei akutem Sprachverlust nicht
- Logopädie nicht parallel zur neurologischen Therapie verordnet
Tipps für Ärzt*innen – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
- F80.3 erfordert dringliche und hochfrequente Logopädie. Verordnung mit SP1b und dringlicher Behandlungsbedürftigkeit. Logopädie sollte parallel zur antiepileptischen Therapie laufen, nicht erst nach deren Abschluss.
Tipps für Patient*innen & Angehörige – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
- Wenn Ihr Kind plötzlich aufhört zu sprechen oder Sie nicht mehr zu verstehen scheint, suchen Sie sofort einen Neuropädiater auf. Logopädie ist ein wichtiger Teil der Behandlung und sollte so früh wie möglich beginnen.
Extrabudgetärer Status – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Fällt ins reguläre Budget. Bei langfristigem Bedarf kann der Arzt Verordnung außerhalb des Regelfalls beantragen.
Therapieverlauf – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Therapiebeginn: Sofort nach Diagnosestellung
Setting: Zunächst stationär (Neuropädiatrie), dann ambulant
Therapieinhalte – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
- Aufbau alternativer Kommunikationswege (Gesten, Bilder, UK-Hilfsmittel)
- Wiederaufbau des auditiven Sprachverständnisses
- Schrittweiser Wiederaufbau der expressiven Sprache
- Enge Zusammenarbeit mit Neuropädiatrie (Antiepileptika-Einstellung)
- Intensive Elternberatung und Anleitung
Diagnostik – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Erstdiagnostik – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Sprachverständnisdiagnostik (TROG-D, SETK) | Dokumentation des Ausmaßes des Sprachverständnisverlusts | Erstbefund |
| Spontansprachanalyse / Kommunikationsprofil | Erfassung der verbliebenen kommunikativen Fähigkeiten | Erstbefund |
Verlaufsdiagnostik – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Wiederholte Sprachverständnis- und Produktionstests | Monitoring des Sprachwiederaufbaus | Regelmäßig, insbesondere nach Medikamentenumstellungen |
Red Flags – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Kardinalsymptom des Landau-Kleffner-Syndroms. EEG-Diagnostik (insbesondere Schlaf-EEG) ist dringend erforderlich.
Verhaltensprobleme sind häufige Begleiterscheinung des Sprachverlusts. Kinder sind frustriert, weil sie nicht mehr kommunizieren können.
Prognose – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Sehr variabel. Etwa ein Drittel der Kinder erholt sich weitgehend, ein Drittel behält moderate Restsymptome, und ein Drittel behält schwere Sprachstörungen. Die Prognose hängt stark vom Ansprechen auf die antiepileptische Therapie und dem Alter bei Beginn ab.
Einflussfaktoren – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
- Alter bei Erstmanifestation (früher Beginn = schlechtere Prognose)
- Ansprechen auf antiepileptische Medikation
- Dauer bis zur Diagnose und Therapiebeginn
- Intensität der logopädischen Therapie
- Ausmaß des initialen Sprachverlusts
Verwandte Codes – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Gleiche Diagnosegruppe – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Differentialdiagnosen – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Häufige Fragen – F80.3 Erworbene Aphasie mit Epilepsie (Landau-Kleffner-Syndrom)
Was ist das Landau-Kleffner-Syndrom?
Eine seltene Erkrankung, bei der Kinder, die sich sprachlich normal entwickelt haben, ihre Sprachfähigkeiten wieder verlieren. Ursache ist epileptische Aktivität im Gehirn, die die Sprachzentren stört. Die Behandlung besteht aus Medikamenten gegen die Epilepsie und intensiver Logopädie.
Bekommt mein Kind die Sprache zurück?
Das hängt vom Einzelfall ab. Viele Kinder gewinnen einen Großteil ihrer Sprachfähigkeiten zurück, besonders wenn die epileptische Aktivität gut kontrolliert werden kann. Logopädie unterstützt den Wiederaufbau aktiv.
Braucht mein Kind bei Landau-Kleffner Unterstützte Kommunikation?
In der akuten Phase, wenn das Kind nicht mehr sprechen und verstehen kann, können Gesten, Bilder oder technische Hilfsmittel (UK) die Kommunikation überbrücken. In der Logopädie werden diese Mittel eingesetzt und schrittweise durch verbale Kommunikation ersetzt.