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Verordnungsfähig

Offiziell im Heilmittelkatalog. Diagnosegruppe: RE1. Verordnung eindeutig.

HMK 3: F98.5 = RE1.

F98.5 – Stottern [Stammeln]

ICD-11-Äquivalent: 6A01.1 – Entwicklungsbedingte Redeflussstörung exakt

Auch gesucht unter: Stottern Logopädie, F98.5 Logopädie, Stottertherapie, Lidcombe, Fluency Shaping, Stottern Kind, Stottern Erwachsene, Balbuties Logopädie, Balbuties

Kinder <6: Lidcombe. Stotterspezialisten empfehlen. Nicht abwarten.

Logopädische Beschreibung – F98.5 Stottern [Stammeln]

F98.5 ist der ICD-Code für Stottern, eine Redeflussstörung mit Wiederholungen (Laute, Silben, Wörter), Dehnungen und Blockaden (tonisch, klonisch, tonisch-klonisch). Begleitend häufig: Mitbewegungen (Kopf, Gesicht), Vermeidungsverhalten, Sprechangst und psychosozialer Leidensdruck. Beginn typischerweise im Alter von 2-5 Jahren. Ca. 5% aller Kinder stottern, 1% persistiert. Logopädie richtet sich nach Alter: Bei Kindern <6 Jahre ist die Lidcombe-Methode evidenzbasiert (indirekt über Eltern). Bei Schulkindern und Erwachsenen: Fluency Shaping (weiches Sprechen) und/oder Stottermodifikation (Van-Riper-Ansatz: Desensibilisierung, Modifikation der Stotterereignisse).

Typische Störungsbilder – F98.5 Stottern [Stammeln]

Stottern (Redeflussstörung) RE1 definitionsgemäß

Wiederholungen, Dehnungen, Blockaden. Ggf. Begleitsymptome und Leidensdruck.

Einfach erklärt:

Stottern ist eine Störung des Redeflusses: Wörter oder Laute werden wiederholt, gedehnt oder blockiert. Viele Kinder stottern vorübergehend, bei einigen bleibt es. Logopädie hilft Kindern und Erwachsenen, flüssiger zu sprechen und mit dem Stottern besser umzugehen.

Logopädische Relevanz – F98.5 Stottern [Stammeln]

Häufigkeit hoch
Patient*innengruppe Kinder 2-5 Jahre (Beginn), Schulkinder und Erwachsene (chronisch).
Bedeutung Ca. 5% aller Kinder stottern. Häufiges Beratungs- und Therapiethema.

Zugeordnete Diagnosegruppen – F98.5 Stottern [Stammeln]

Quelle: HMK 3: RE1 Störungen des Redeflusses - Stottern. F98.5 ist Beispieldiagnose.

Leitsymptomatik:

RE1

Wann verordnen:

Bei Stottern, bei Kindern: möglichst frühzeitig (Lidcombe am wirksamsten bei Kindern <6 Jahre).

Begründung:

Stottern.

Evidenz-Klassifizierung:
Offiziell (HMK) Abgeleitet & verifiziert Praxisempfehlung Nicht offiziell Nicht geprüft

Grün = Direkt im offiziellen Heilmittelkatalog (G-BA). Blau = Aus offiziellen Quellen ableitbar. Orange = Klinisch sinnvolle Ergänzung.

Heilmittel, Höchstmengen und Vordruck je Diagnosegruppe – F98.5 Stottern [Stammeln]

RE1 Primär Offiziell (HMK)
Heilmittel Sprechtherapie
Einzeltherapie 30, 45 oder 60 Min.
Gruppentherapie 45 oder 90 Min.
Höchstmenge je Verordnung 10
Langfristiger / besonderer Bedarf 12-Wochen-Regel bei langfristigem/besonderem Bedarf (verordnete Frequenz maßgeblich)
Verordner Arzt
Vordruck Muster 13

Verordnung & Praxistipps – F98.5 Stottern [Stammeln]

Typische Erstverordnung – F98.5 Stottern [Stammeln]

Diagnosegruppe RE1
Leitsymptomatik RE1
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 1-2x wöchentlich
Therapiedauer 45 Min.
Hausbesuch Nicht nötig
Dringlicher Behandlungsbedarf Nein
Therapiebericht Ja

Häufige Verordnungsfehler – F98.5 Stottern [Stammeln]

  • 'Kind stottert erst seit 3 Monaten, abwarten', bei Kindern <6 Jahre frühzeitig Lidcombe beginnen
  • Nur 10 Einheiten verordnet, Stottertherapie braucht oft 30-60 Sitzungen

Tipps für Ärzt*innen – F98.5 Stottern [Stammeln]

  • Bei Kindern <6 Jahre frühzeitig Lidcombe-Therapeuten überweisen. Nicht abwarten! RE1 verordnen. Stottertherapie braucht Zeit, rechtzeitig Folgeverordnung.

Tipps für Patient*innen & Angehörige – F98.5 Stottern [Stammeln]

  • Stottern ist nicht Ihre Schuld. Lassen Sie Ihr Kind aussprechen, ohne zu unterbrechen. Sätze nicht beenden. Suchen Sie einen Stotterspezialisten (www.bvss.de).

Extrabudgetärer Status – F98.5 Stottern [Stammeln]

Diese Diagnose steht nicht auf der KBV-Diagnoseliste für langfristigen Heilmittelbedarf oder besonderen Verordnungsbedarf. Logopädie ist regulär verordnungsfähig, sofern die Voraussetzungen des Heilmittelkatalogs erfüllt sind.

RE1 Reguläres Budget
Nach Ablauf:

Bei chronischem Stottern ggf. langfristiger Heilmittelbedarf.

Quelle: KBV-Diagnoseliste, Stand 01.01.2026 (Anlage 2 HeilM-RL / Anhang 1 Rahmenvorgaben § 106b Abs. 2 SGB V)

Therapieverlauf – F98.5 Stottern [Stammeln]

Therapiebeginn: Bei Kindern <6: so früh wie möglich (Lidcombe). Bei Schulkindern/Erwachsenen: bei Leidensdruck oder Einschränkung.

Setting: Ambulant

Frequenz: 1-2x/Woche. Intensivtherapien (1-3 Wochen, täglich) bei Erwachsenen sehr wirksam.

Besonderheiten: Stottertherapeut mit spezifischer Weiterbildung empfohlen. Stottern ist nicht heilbar im engeren Sinn, aber gut behandelbar. Ziel ist nicht zwangsläufig stotterfreies Sprechen, sondern flüssigeres und angstfreieres Kommunizieren.

Therapieinhalte – F98.5 Stottern [Stammeln]

  • Kinder <6 Jahre: Lidcombe-Programm (evidenzbasiert, Eltern-gesteuert)
  • Kinder >6 Jahre: Fluency Shaping und/oder Stottermodifikation
  • Erwachsene: Fluency Shaping (weiches Sprechen, Pull-outs) und/oder Stottermodifikation (Van Riper: Desensibilisierung, Identifikation, Modifikation, Stabilisierung)
  • Psychosoziale Begleitung: Sprechangst, Vermeidungsverhalten, Selbsthilfe
  • Elternberatung bei Kindern

Diagnostik – F98.5 Stottern [Stammeln]

Erstdiagnostik – F98.5 Stottern [Stammeln]

Test Zweck Zeitpunkt
Stotterdiagnostik: SSI-4 (Stuttering Severity Instrument), Sprechproben Schweregrad und Stottermuster erfassen Erstbefund
ICF-basierte Diagnostik: Leidensdruck, Vermeidungsverhalten, Partizipation Gesamtbild erfassen Erstbefund

Verlaufsdiagnostik – F98.5 Stottern [Stammeln]

Test Zweck Zeitpunkt
SSI-4 + Selbsteinschätzung Fortschritt Alle 10-20 Sitzungen

Red Flags – F98.5 Stottern [Stammeln]

Kind >5 Jahre stottert seit >12 Monaten Bald Logopädie beginnen

Spontanerholung wird unwahrscheinlicher. Frühzeitige Therapie verbessert die Prognose.

Stottern mit starkem Leidensdruck/Schulvermeidung Logopädie + ggf. Psychotherapie

Psychosoziale Folgen beachten.

Prognose – F98.5 Stottern [Stammeln]

Ca. 75-80% der stotternden Kinder erholen sich spontan (meist bis 6 Jahre). Bei persistierendem Stottern: Therapie kann Fluenz deutlich verbessern, aber komplette Heilung bei Erwachsenen ist selten. Ziel: flüssigeres, angstfreieres Sprechen.

Einflussfaktoren – F98.5 Stottern [Stammeln]

  • Alter bei Therapiebeginn
  • Familiengeschichte
  • Geschlecht (Jungen persistieren häufiger)
  • Therapiemethode und -intensität

Prognose im Einzelfall.

Hinweise aus den Leitlinien – F98.5 Stottern [Stammeln]

S3-Leitlinie (AWMF 049/013): hoechste Evidenz im Vorschulalter für die Lidcombe-Therapie; hohe Evidenz für sprechrestrukturierende Verfahren (Fluency Shaping) bei 6- bis 12-Jaehrigen und Jugendlichen; nur schwache Evidenz für Stottermodifikation (Van Riper) und kombinierte Verfahren. Negative Evidenz für unspezifische Stottertherapien, Atemregulation und Hypnose.

Prävalenz: Etwa 5% der Kinder stottern im Lauf ihrer Entwicklung (kumulativ); persistierend bleibt das Stottern nur bei ca. 1% der Kinder und Jugendlichen (ca. 0,8% Maenner, 0,2% Frauen). Die meisten Vorschulkinder remittieren spontan. Da eine Remission im Einzelfall nicht vorhersagbar ist, gilt früher Therapiebeginn als entscheidend.

Quelle: S3-Leitlinie Pathogenese, Diagnostik und Behandlung von Redeflussstörungen (AWMF 049/013)

Verwandte Codes – F98.5 Stottern [Stammeln]

Gleiche Diagnosegruppe – F98.5 Stottern [Stammeln]

Andere Redeflussstörung

Häufige Fragen – F98.5 Stottern [Stammeln]

Wächst sich Stottern aus?

Bei 75-80% der Kinder ja. Aber man kann im Voraus nicht sicher sagen, bei welchem Kind. Deshalb: frühzeitig zum Logopäden.

Was kann ich als Elternteil tun?

Lassen Sie Ihr Kind aussprechen. Nicht unterbrechen. Nicht die Sätze beenden. Langsam und entspannt selbst sprechen. Und: Logopädie aufsuchen.

Kann Stottern bei Erwachsenen geheilt werden?

Komplett stotterfrei wird es selten. Aber Logopädie kann das Stottern deutlich reduzieren und, oft noch wichtiger, den Leidensdruck und die Sprechangst verringern.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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