Logopädie Praxis Kosmos
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Verordnungsfähig

Offiziell im Heilmittelkatalog. Diagnosegruppe: SP1. Verordnung eindeutig.

KBV Diagnoseliste 2026 S.7: G80.0 als LHB mit SP1/SP2/SP6/SC.

G80.0 – Spastische tetraplegische Zerebralparese

Auch gesucht unter: Zerebralparese Logopädie, Tetraplegie Logopädie, ICP Logopädie, Zerebralparese Schluckstörung, Zerebralparese Kommunikation, G80.0 Logopädie, Castillo Morales Therapie, Zerebralparese UK

Schwerste CP-Form. Langfristiger Mehrbedarf: SP1 + SC + SP6/SP7. Hausbesuch häufig indiziert.

Logopädische Beschreibung – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Die spastische Tetraplegie (G80.0) ist die schwerste Form der Zerebralparese mit Beteiligung aller vier Extremitäten und des Rumpfes. Logopädisch sind nahezu immer eine Dysarthrie (SP6/SP7) durch Spastik der Sprech- und Atemmuskulatur, eine Sprachentwicklungsverzögerung (SP1) durch motorische und oft kognitive Einschränkungen sowie eine Dysphagie (SC) mit Aspirationsgefahr betroffen. Die orofaziale Muskulatur ist bei Tetraplegie fast immer mitbetroffen: Speichelfluss (Sialorrhoe), eingeschränkte Kieferöffnung, Zungenprotrusion und Beißreflex erschweren Nahrungsaufnahme und Lautbildung. UK-Versorgung ist häufig nötig, da die Lautsprache stark eingeschränkt oder nicht vorhanden sein kann.

Typische Störungsbilder – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Spastische Dysarthrie SP6 nahezu immer

Verwaschene, angestrengte Sprache durch Spastik der Sprechmuskulatur.

Dysphagie SC sehr häufig (60-90%)

Schluckstörung mit Aspirationsgefahr. Eingeschränkte Kostformen häufig nötig.

Sprachentwicklungsverzögerung SP1 häufig

Durch motorische und ggf. kognitive Einschränkungen verzögerte Sprachentwicklung.

Sialorrhoe (Speichelfluss) SC sehr häufig

Unkontrollierter Speichelfluss durch reduzierte orofaziale Kontrolle und eingeschränktes Schlucken.

Einfach erklärt:

Bei der schwersten Form der Zerebralparese sind Arme, Beine und der Rumpf durch erhöhte Muskelspannung (Spastik) betroffen – auch die Muskeln zum Sprechen, Schlucken und Atmen. Viele Kinder können nicht oder nur schwer verständlich sprechen und haben Probleme beim Essen und Trinken. Logopädie arbeitet an der Mundmotorik, unterstützt die Kommunikation (z.B. mit technischen Hilfsmitteln) und trainiert sicheres Schlucken.

Logopädische Relevanz – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Häufigkeit mittel
Patient*innengruppe Kinder und Erwachsene, meist ab Säuglingsalter in Behandlung.
Bedeutung Kinder mit schwerer Zerebralparese haben fast immer langfristigen logopädischen Bedarf in mehreren Bereichen.

Zugeordnete Diagnosegruppen – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.7: G80.x mit SP1/SP2/SP6/SC als LHB.

Leitsymptomatik:

SP1b

Wann verordnen:

Bei Kindern mit verzögerter Sprachentwicklung.

Begründung:

Sprachentwicklungsverzögerung bei Kindern mit Zerebralparese. SP1 als Primärschlüssel für die Sprachentwicklungsförderung.

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.7

Begründung:

KBV Diagnoseliste 2026 S.7

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.7

Leitsymptomatik:

SP6a

Wann verordnen:

Wenn das Sprechen verwaschen oder stark angestrengt ist.

Begründung:

Dysarthrie durch Spastik der Sprechmuskulatur.

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.7

Leitsymptomatik:

SCa

Wann verordnen:

Bei Schluckproblemen, Husten beim Essen, Aspirationszeichen.

Begründung:

Dysphagie bei Zerebralparese mit Aspirationsgefahr.

Quelle: Artikulationsstörungen bei Zerebralparese häufig. Nicht offiziell in KBV-Liste für G80, aber klinisch über SP3 möglich.

Begründung:

Artikulationsstörungen bei Zerebralparese häufig. Nicht offiziell in KBV-Liste für G80, aber klinisch über SP3 möglich.

Quelle: Stottersymptomatik bei Zerebralparese möglich. Nicht offiziell gelistet.

Begründung:

Stottersymptomatik bei Zerebralparese möglich. Nicht offiziell gelistet.

Evidenz-Klassifizierung:
Offiziell (HMK) Abgeleitet & verifiziert Praxisempfehlung Nicht offiziell Nicht geprüft

Grün = Direkt im offiziellen Heilmittelkatalog (G-BA). Blau = Aus offiziellen Quellen ableitbar. Orange = Klinisch sinnvolle Ergänzung.

Verordnung & Praxistipps – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Typische Erstverordnung – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Diagnosegruppe SP1
Leitsymptomatik SP1b
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 1-2x wöchentlich
Therapiedauer 45 Min.

Häufige Verordnungsfehler – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

  • Nur SP1 verordnet, obwohl SC (Dysphagie) dringend nötig ist
  • Kein Hausbesuch verordnet trotz schwerer Mobilitätseinschränkung
  • Langfristiger Heilmittelbedarf nicht beantragt

Tipps für Ärzt*innen – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

  • Bei G80.0 liegen fast immer mehrere logopädische Indikationen vor (SP1 + SC + SP6/SP7). Langfristiger Heilmittelbedarf beantragen. Hausbesuch häufig indiziert.

Tipps für Patient*innen & Angehörige – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

  • Logopädie begleitet Ihr Kind von Anfang an – von der Fütterunterstützung im Säuglingsalter bis zur Kommunikationsförderung im Schulalter. Sprechen Sie den Arzt auf Hausbesuche an, wenn der Praxisbesuch schwierig ist.

Extrabudgetärer Status – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

SP1

Reguläres Budget. Kinder zuzahlungsfrei.

SP6

Reguläres Budget.

SC

Reguläres Budget.

Therapieverlauf – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Therapiebeginn: Ab Säuglingsalter (orofaziale Stimulation, Füttertherapie)

Setting: Ambulant, SPZ, oder stationär

Therapieinhalte – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

  • Orofaziale Regulationstherapie nach Castillo Morales
  • Füttertherapie und Dysphagie-Management
  • Mundmotorik und Speichelmanagement
  • Sprachentwicklungsförderung
  • UK-Versorgung: Taster, Augensteuerung, Kommunikationstafeln
  • Dysarthrie-Therapie bei älteren Kindern: Verständlichkeit verbessern

Diagnostik – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Erstdiagnostik – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Test Zweck Zeitpunkt
Orofaziale Befunderhebung Beurteilung von Mundmotorik, Reflexen, Tonus, Speichelkontrolle Erstbefund
Klinische Schluckdiagnostik / FEES Beurteilung der Schlucksicherheit Erstbefund und regelmäßig
Kommunikationsprofil Erfassung der kommunikativen Möglichkeiten Erstbefund

Verlaufsdiagnostik – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Test Zweck Zeitpunkt
Regelmäßige Schluck- und Kommunikationsevaluation Anpassung an veränderte Bedürfnisse Mindestens halbjährlich

Red Flags – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Wiederholte Lungenentzündungen Dringend zum Arzt

Hinweis auf stille Aspiration. FEES-Diagnostik und SC-Verordnung dringend.

Gewichtsverlust oder Gedeihstörung Dringend

Kann auf unzureichende orale Nahrungsaufnahme hindeuten. Dysphagie-Diagnostik und Ernährungsberatung.

Zunehmende Spastik im Mundbereich mit Kieferklemme Zeitnah

Kann Nahrungsaufnahme und Kommunikation weiter einschränken. Interdisziplinäre Abstimmung (Neuropädiatrie, Orthopädie, Logopädie).

Prognose – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Die spastische Tetraplegie ist die schwerste Form der Zerebralparese. Lautsprache wird oft nicht oder nur sehr eingeschränkt erreicht. UK-Versorgung ist langfristig zentral. Die Dysphagie-Behandlung begleitet die Patienten oft lebenslang. Logopädie kann aber die Lebensqualität und Teilhabe erheblich verbessern.

Einflussfaktoren – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

  • Schweregrad der Spastik (GMFCS-Level)
  • Kognitive Fähigkeiten
  • Qualität der UK-Versorgung
  • Allgemeinzustand und Begleiterkrankungen (Epilepsie, Sehstörung)

Verwandte Codes – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Gleiche Diagnosegruppe – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Beine stärker betroffen als Arme – orale Funktion oft besser als bei Tetraplegie

Nur eine Körperseite betroffen – Sprache meist besser entwickelt

Häufige Fragen – G80.0 Spastische tetraplegische Zerebralparese

Kann mein Kind mit Tetraplegie sprechen lernen?

Das hängt vom Schweregrad ab. Manche Kinder lernen Einzelwörter, andere kommunizieren über UK-Hilfsmittel. Logopädie findet den besten Weg für Ihr Kind.

Was ist Castillo-Morales-Therapie?

Ein logopädisches Konzept zur orofazialen Stimulation bei Kindern mit neurologischen Störungen. Es verbessert Mundmotorik, Schlucken und Speichelkontrolle durch gezielte Berührungsreize und Lagerung.

Mein Kind verschluckt sich oft – ist das gefährlich?

Ja, bei Zerebralparese kann häufiges Verschlucken (Aspiration) zu Lungenentzündungen führen. Logopädie (SC) trainiert sicheres Schlucken und passt die Kostform an. Bei Verdacht auf stille Aspiration ist eine FEES-Untersuchung wichtig.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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Die hier enthaltenen medizinischen Informationen wurden sorgfältig recherchiert und orientieren sich an der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie an AWMF-Leitlinien. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Die exakte Beurteilung hängt immer vom Einzelfall und dem klinischen Kontext ab. Prüfen Sie im Zweifel nochmals selbst anhand der offiziellen Quellen.

Alle Angaben ohne Gewähr auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Es wird keine Haftung für Schäden übernommen, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Verbindliche Grundlage ist stets die aktuelle Heilmittel-Richtlinie des G-BA.