Logopädie Praxis Kosmos
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Bedingt verordnungsfähig

Nicht offiziell im Heilmittelkatalog gelistet. Verordnung möglich über Diagnosegruppe SP1 – Begründung erforderlich.

HMK 2.3: H90.3 Beispieldiagnose für SP4. SP1 bei Kindern mit leichter/mittlerer Schwerhörigkeit. Hinweis: Nur Beispieldiagnose im HMK-Text, nicht in der offiziellen Diagnoseliste.

H90.3 – Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Auch gesucht unter: Schallempfindungshörverlust Logopädie, Schwerhörigkeit Kind Sprachtherapie, Innenohrschwerhörigkeit Logopädie, H90.3 Logopädie, CI Logopädie Kind, Hör-Sprach-Therapie, Schwerhöriges Kind Sprachentwicklung

Frühzeitige Versorgung entscheidend (1-3-6-Regel). Intensität der Logopädie korreliert mit Sprachentwicklung.

Logopädische Beschreibung – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

H90.3 beschreibt eine beidseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit (sensorineuraler Hörverlust), bei der das Innenohr oder der Hörnerv geschädigt ist. Dies ist die häufigste Form permanenter Schwerhörigkeit bei Kindern. Logopädisch ist der Einfluss auf die Sprachentwicklung erheblich und korreliert mit dem Grad des Hörverlusts: Bei leichtem Hörverlust primär Artikulation und auditive Diskrimination betroffen, bei mittelgradigem auch Wortschatz und Grammatik, bei hochgradigem/an Taubheit grenzend ist die gesamte Sprachentwicklung massiv beeinträchtigt und erfordert Hörgeräte- oder CI-Versorgung mit intensiver Hör-Sprach-Therapie.

Typische Störungsbilder – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Hörgerichtete Sprachentwicklungsverzögerung SP1 nahezu immer bei mittel-/hochgradigem Verlust

Gesamte Sprachentwicklung betroffen durch eingeschränkten Höreindruck.

Artikulationsstörung SP1 sehr häufig

Laute werden nicht korrekt gehört und daher nicht korrekt gebildet.

Auditive Wahrnehmungsstörung SP4 bei leichtem Verlust

Feine Lautunterschiede werden nicht wahrgenommen.

Einfach erklärt:

Ihr Kind hört auf beiden Ohren schlechter, weil das Innenohr oder der Hörnerv betroffen ist. Je nach Schweregrad beeinflusst das die Sprachentwicklung unterschiedlich stark. Mit Hörgeräten oder einem Cochlea-Implantat und logopädischer Therapie kann Ihr Kind Hören und Sprechen lernen. Je früher die Versorgung beginnt, desto besser.

Logopädische Relevanz – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Häufigkeit mittel bis hoch
Patient*innengruppe Kinder ab Neugeborenenscreening-Diagnose. Auch Erwachsene mit progredientem Hörverlust.
Bedeutung Permanente Schwerhörigkeit erfordert langfristige logopädische Begleitung, besonders nach CI-Versorgung.

Zugeordnete Diagnosegruppen – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Quelle: Bei Kindern mit Hörstörung: Sprachentwicklungsverzögerung -> SP1 wenn nicht hochgradig.

Leitsymptomatik:

SP1b bei mittel-/hochgradig

Wann verordnen:

Bei jeder Form der Sprachentwicklungsverzögerung durch Hörverlust.

Begründung:

Sprachentwicklung bei Schwerhörigkeit.

Quelle: HMK 2.3: SP4 Störungen der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit/Taubheit. H90/H91 sind Beispieldiagnosen. (Beispieldiagnose, nicht Diagnoseliste)

Leitsymptomatik:

SP4

Wann verordnen:

Nach Hörgeräte- oder CI-Versorgung für das Hörtraining.

Begründung:

Hör-Sprach-Training nach Hörgeräte-/CI-Versorgung.

Evidenz-Klassifizierung:
Offiziell (HMK) Abgeleitet & verifiziert Praxisempfehlung Nicht offiziell Nicht geprüft

Grün = Direkt im offiziellen Heilmittelkatalog (G-BA). Blau = Aus offiziellen Quellen ableitbar. Orange = Klinisch sinnvolle Ergänzung.

Verordnung & Praxistipps – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Typische Erstverordnung – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Diagnosegruppe SP1
Leitsymptomatik SP1b
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 2x wöchentlich
Therapiedauer 45 Min.

Häufige Verordnungsfehler – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

  • Zu niedrige Frequenz bei hochgradigem Verlust – 1x/Woche reicht in der Frühphase nicht
  • Kein Verweis auf CI-Zentrum bei hochgradigem Verlust

Tipps für Ärzt*innen – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

  • Bei beidseitigem Schallempfindungsverlust frühzeitig und hochfrequent Logopädie verordnen (SP1b). Bei hochgradigem Verlust an CI-Evaluation denken. Langfristiger Heilmittelbedarf beantragen.

Tipps für Patient*innen & Angehörige – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

  • Je früher Ihr Kind mit Hörgeräten oder CI versorgt wird und Logopädie bekommt, desto besser lernt es Hören und Sprechen. Die ersten Lebensjahre sind dafür besonders wichtig.

Extrabudgetärer Status – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

SP1

Reguläres Budget. Kinder zuzahlungsfrei.

Therapieverlauf – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Therapiebeginn: Sofort nach Hörgeräte-/CI-Versorgung. Bei Neugeborenen-Screening-Auffälligkeit so früh wie möglich.

Setting: Ambulant, CI-Zentrum, oder Frühförderstelle

Therapieinhalte – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

  • Hör-Sprach-Training: Hören lernen mit Hörgeräten/CI
  • Auditives Training: Geräusche, Sprache, Lautdiskrimination
  • Sprachentwicklungsförderung auf allen Ebenen
  • Elternberatung: Hörgerichtete Kommunikation im Alltag
  • Ggf. Gebärdenunterstützung in der Frühphase
  • Bei CI: Intensive Nachsorge mit Hörtraining

Diagnostik – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Erstdiagnostik – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Test Zweck Zeitpunkt
Pädaudiologischer Befund Art und Grad des Hörverlusts kennen Vor Therapiebeginn
Sprachentwicklungsdiagnostik (SETK, PDSS, Reynell) Sprachentwicklungsstand im Vergleich zu hörenden Kindern Erstbefund

Verlaufsdiagnostik – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Test Zweck Zeitpunkt
Regelmäßige Sprach- und Hörentwicklungskontrolle Fortschritt nach CI/Hörgeräteversorgung dokumentieren Alle 3-6 Monate in den ersten Jahren

Red Flags – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Kind mit Hörgeräten macht keine Hör-Sprach-Fortschritte Zeitnah zur Pädaudiologie / CI-Zentrum

Ggf. reichen Hörgeräte nicht aus und eine CI-Evaluation ist nötig.

Neugeborenen-Hörscreening auffällig Sofort pädaudiologische Abklärung

Versorgung sollte innerhalb der ersten 6 Lebensmonate erfolgen (Joint Committee on Infant Hearing: 1-3-6-Regel).

Prognose – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Bei frühzeitiger Versorgung (Hörgeräte/CI) und intensiver Logopädie können viele Kinder eine lautsprachliche Kommunikation entwickeln, die annähernd dem Niveau hörender Kinder entspricht. Bei spätem Versorgungsbeginn oder unzureichender Therapie bleiben oft Rückstände.

Einflussfaktoren – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

  • Grad des Hörverlusts
  • Alter bei Erstversorgung (1-3-6-Regel)
  • Art der Versorgung (Hörgeräte vs. CI)
  • Intensität der Logopädie
  • Familiäre Unterstützung
  • Zusätzliche Beeinträchtigungen

Verwandte Codes – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Gleiche Diagnosegruppe – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Stärkste Ausprägung – CI ist oft die einzige Option für Lautspracherwerb

Differentialdiagnosen – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Weniger gravierend, oft behandelbar – Sprachprognose besser

Häufige Fragen – H90.3 Beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung

Kann mein Kind mit Schallempfindungshörverlust sprechen lernen?

Ja, mit der richtigen Versorgung. Bei leichtem bis mittelgradigem Verlust reichen oft Hörgeräte plus Logopädie. Bei hochgradigem Verlust ist ein Cochlea-Implantat die beste Option für Lautspracherwerb.

Was ist die 1-3-6-Regel?

Hörscreening bis 1 Monat, Diagnose bis 3 Monate, Versorgung und Frühförderung bis 6 Monate. Je früher, desto besser für die Sprachentwicklung.

Wie lange braucht mein Kind Logopädie bei Schwerhörigkeit?

Das hängt vom Schweregrad ab. Bei hochgradiger Schwerhörigkeit mit CI oft mehrere Jahre intensive Therapie. Bei leichterem Verlust kann die Therapie kürzer sein.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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