Logopädische Beschreibung – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
H91.3 beschreibt eine beidseitige Taubheit (Hörverlust >90 dB). Ohne technische Versorgung (Cochlea-Implantat) ist kein Zugang zu Lautsprache über das Hören möglich. Logopädisch ist H91.3 eine der anspruchsvollsten Diagnosen: Nach CI-Versorgung muss das Hören von Grund auf gelernt werden. Die Hör-Sprach-Therapie umfasst basale Hörerziehung (Geräusche wahrnehmen, Sprache von Geräuschen unterscheiden), Lautdiskrimination, Wortverständnis und schrittweisen Aufbau der Lautsprache. Bei Kindern, deren Eltern die Gebärdensprache wählen, steht die Förderung der Gebärdensprachkompetenz und ggf. einer bilingualen Entwicklung im Vordergrund.
Typische Störungsbilder – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
Ohne CI keine Lautsprachentwicklung möglich.
Hören muss von Grund auf gelernt werden.
Ihr Kind hört auf beiden Ohren nichts oder fast nichts. Mit einem Cochlea-Implantat (CI) kann es lernen, Geräusche und Sprache wahrzunehmen. Logopädie ist nach der CI-Operation entscheidend: Ihr Kind muss Hören und Sprechen von Anfang an lernen. Das ist intensiv, aber bei früher Versorgung sehr erfolgversprechend. Wenn Sie die Gebärdensprache bevorzugen, unterstützt Logopädie auch diesen Weg.
Logopädische Relevanz – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
| Häufigkeit | mittel |
|---|---|
| Patient*innengruppe | Kinder nach CI-Versorgung (idealerweise im 1. Lebensjahr). Auch Erwachsene mit CI. |
| Bedeutung | CI-Versorgung bei tauben Kindern hat zugenommen. Intensive langfristige Hör-Sprach-Therapie nötig. |
Zugeordnete Diagnosegruppen – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
SP4
Nach CI-Aktivierung für Hörtraining.
Hörtraining nach CI.
Verordnung & Praxistipps – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
Typische Erstverordnung – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
| Diagnosegruppe | SP1 |
|---|---|
| Leitsymptomatik | SP1b |
| Behandlungseinheiten | 10 |
| Frequenz | 2-3x wöchentlich |
| Therapiedauer | 45 Min. |
Häufige Verordnungsfehler – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
- Zu niedrige Frequenz nach CI-Aktivierung
- Langfristigen Heilmittelbedarf nicht beantragt
Tipps für Ärzt*innen – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
- Bei CI-versorgten tauben Kindern: SP1b mit dringlicher Behandlungsbedürftigkeit, 2-3x/Woche. Langfristigen Heilmittelbedarf beantragen.
Tipps für Patient*innen & Angehörige – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
- Nach der CI-Operation beginnt die eigentliche Arbeit: Ihr Kind muss Hören lernen. Regelmäßige und intensive Logopädie ist dafür entscheidend. Ihre Mitarbeit zu Hause ist ebenso wichtig.
Extrabudgetärer Status – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
Therapieverlauf – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
Therapiebeginn: Sofort nach CI-Aktivierung
Setting: CI-Zentrum + ambulant
Therapieinhalte – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
- Basale Hörerziehung: Geräusche wahrnehmen, Sprache erkennen
- Lautdiskriminationstraining
- Wortschatzaufbau über das Hören
- Sprachproduktion: Lautanbahnung, Wörter, Sätze
- Intensive Elternanleitung
- Ggf. Gebärdenunterstützung in der Übergangsphase
Diagnostik – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
Erstdiagnostik – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| CI-spezifische Hör- und Sprachdiagnostik | Hören und Sprachstand nach CI-Aktivierung | Nach CI-Aktivierung |
Verlaufsdiagnostik – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Regelmäßige Hör-Sprach-Evaluation (EARS, LiP, CAP) | Hör-Sprach-Entwicklung nach CI dokumentieren | Alle 3-6 Monate |
Red Flags – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
CI-Einstellung prüfen, Therapieansatz überprüfen.
Bei beidseitiger Taubheit: CI-Evaluation so früh wie möglich. Versorgung idealerweise im 1. Lebensjahr.
Prognose – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
Bei CI-Versorgung im 1. Lebensjahr und intensiver Therapie können viele Kinder eine annähernd normale Lautsprachentwicklung erreichen. Je später die Versorgung, desto schwieriger. Ohne CI ist Lautspracherwerb über das Hören nicht möglich.
Einflussfaktoren – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
- Alter bei CI-Versorgung (ideal <12 Monate)
- Intensität der Hör-Sprach-Therapie
- Familiäre Unterstützung
- Zusätzliche Beeinträchtigungen
- Technischer Zustand des CI
Verwandte Codes – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
Gleiche Diagnosegruppe – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
Häufige Fragen – H91.3 Taubstummheit, anderenorts nicht klassifiziert
Kann mein taubes Kind mit CI sprechen lernen?
Ja, bei frühzeitiger CI-Versorgung (idealerweise im 1. Lebensjahr) und intensiver Logopädie erreichen viele Kinder eine gute Lautsprachentwicklung.
Wie intensiv ist die Logopädie nach CI?
In den ersten 2-3 Jahren sehr intensiv: 2-3x pro Woche. Danach wird die Frequenz oft reduziert, die Begleitung kann aber über Jahre andauern.
Muss es CI sein oder gibt es Alternativen?
Bei beidseitiger Taubheit ist CI die einzige Option für Lautspracherwerb über das Hören. Alternative: Gebärdensprache als Erstsprache. Viele Familien wählen einen bilingualen Ansatz.