Logopädische Beschreibung – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
H93.2 umfasst zentrale Hörstörungen und die Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS). Bei AVWS ist das periphere Gehör normal, aber die zentrale Verarbeitung auditiver Information ist beeinträchtigt: Lautdiskrimination, auditive Merkspanne, Richtungshören, Verstehen im Störlärm und phonologische Bewusstheit können betroffen sein. Logopädisch ist AVWS besonders relevant, weil sie den Schriftspracherwerb (Lese-Rechtschreibung) stark beeinflusst und häufig mit Sprachentwicklungsstörungen assoziiert ist. Die Therapie umfasst auditives Training, Förderung der phonologischen Bewusstheit und kompensatorische Strategien.
Typische Störungsbilder – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
Ähnlich klingende Laute/Wörter werden nicht zuverlässig unterschieden.
Reimen, Silben klatschen, Anlaute erkennen fällt schwer, Risikofaktor für LRS.
Mehrgliedrige Aufträge oder längere Sätze werden nicht vollständig behalten.
Ihr Kind hört normal, aber das Gehirn verarbeitet das Gehörte nicht richtig. Es kann zum Beispiel ähnlich klingende Wörter nicht gut unterscheiden, hat Schwierigkeiten im Lärm zu verstehen oder kann sich Gehörtes schlecht merken. Das zeigt sich oft als Probleme beim Lesen und Schreiben lernen. Logopädie trainiert die auditive Verarbeitung und hilft, Strategien zu entwickeln.
Logopädische Relevanz – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
| Häufigkeit | hoch |
|---|---|
| Patient*innengruppe | Kinder ab ca. 6-7 Jahren (Diagnostik erst ab dem Alter zuverlässig). Häufig zusammen mit LRS. |
| Bedeutung | AVWS wird zunehmend diagnostiziert und ist ein häufiger Verordnungsgrund, besonders im Grundschulalter. |
Zugeordnete Diagnosegruppen – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
SP2
Bei isolierter auditiver Verarbeitungsstörung ohne SES.
SP2 (Störungen der auditiven Wahrnehmung) kann als spezifischere Zuordnung verwendet werden.
Verordnung & Praxistipps – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
Typische Erstverordnung – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
| Diagnosegruppe | SP1 |
|---|---|
| Leitsymptomatik | SP1a |
| Behandlungseinheiten | 10 |
| Frequenz | 1-2x wöchentlich |
| Therapiedauer | 45 Min. |
Häufige Verordnungsfehler – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
- AVWS-Diagnose ohne pädaudiologische Abklärung gestellt
- Verwechslung mit peripherem Hörverlust
Tipps für Ärzt*innen – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
- AVWS muss pädaudiologisch gesichert werden (nicht nur durch Logopädie oder Ergotherapie). Verordnung mit SP1a. Bei begleitender SES SP1b.
Tipps für Patient*innen & Angehörige – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
- AVWS bedeutet nicht, dass Ihr Kind schlecht hört, es hört gut, aber das Gehirn verarbeitet das Gehörte anders. Logopädie trainiert diese Verarbeitung gezielt.
Extrabudgetärer Status – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
Therapieverlauf – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
Therapiebeginn: Nach gesicherter AVWS-Diagnose (ab ca. 6-7 Jahren)
Setting: Ambulant
Therapieinhalte – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
- Auditives Diskriminationstraining (ähnliche Laute unterscheiden)
- Phonologische Bewusstheit fördern (Reimen, Segmentieren, Synthetisieren)
- Auditive Merkspanne trainieren
- Kompensationsstrategien für den Schulalltag
- Ggf. technische Hilfsmittel (FM-Anlage) empfehlen
- Zusammenarbeit mit Schule und ggf. Lerntherapie
Diagnostik – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
Erstdiagnostik – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Pädaudiologische AVWS-Diagnostik | Gesicherte Diagnose nach DGPP-Leitlinie | Vor Therapiebeginn |
| Phonologische Bewusstheit (BAKO, TPB) | Einschätzung des LRS-Risikos | Erstbefund |
Verlaufsdiagnostik – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Wiederholung der auditiven Tests | Fortschritt in auditiver Verarbeitung dokumentieren | Alle 20 Sitzungen |
Red Flags – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
AVWS ist ein häufiger Grund für LRS und wird oft erst spät erkannt.
Verstehen im Störlärm kann bei AVWS stark beeinträchtigt sein. Eine FM-Anlage kann helfen.
Prognose – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
AVWS ist gut therapierbar. Auditives Training verbessert die Verarbeitung messbar. Die Auswirkungen auf den Schriftspracherwerb können durch Logopädie und Kompensationsstrategien deutlich gemildert werden.
Einflussfaktoren – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
- Schweregrad der AVWS
- Alter bei Diagnose und Therapiebeginn
- Begleitende SES oder LRS
- Einsatz von Kompensationsstrategien und Hilfsmitteln
Verwandte Codes – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
Differentialdiagnosen – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
Häufige Fragen – H93.2 Sonstige abnorme Hörempfindungen
Was ist der Unterschied zwischen AVWS und Schwerhörigkeit?
Bei Schwerhörigkeit funktioniert das Ohr nicht richtig, das Kind hört zu leise. Bei AVWS hört das Ohr perfekt, aber das Gehirn verarbeitet das Gehörte nicht optimal, z.B. ähnliche Laute unterscheiden oder im Lärm verstehen.
Mein Kind hat AVWS, wird es LRS bekommen?
AVWS erhöht das Risiko für LRS, aber es ist keine Garantie dafür. Frühzeitige Logopädie mit Fokus auf phonologische Bewusstheit und auditive Diskrimination kann vorbeugen.
Was ist eine FM-Anlage?
Eine FM-Anlage überträgt die Stimme der Lehrkraft direkt in einen Empfänger am Ohr des Kindes. Das verbessert das Verstehen im Klassenzimmer erheblich. Die Krankenkasse kann die Kosten übernehmen.