Logopädie Praxis Kosmos
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Verordnungsfähig

Offiziell im Heilmittelkatalog. Diagnosegruppe: SP5. Verordnung eindeutig.

KBV Diagnoseliste 2026 S.8-9: I63.9 als BVB, längstens 1 Jahr nach Akutereignis.

I63.9 – Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Auch gesucht unter: Schlaganfall Logopädie, Aphasie Behandlung, Aphasie nach Schlaganfall, Hirninfarkt Logopädie, I63.9 Logopädie, Schlaganfall Sprachstörung, Schlaganfall Schluckstörung, Dysphagie nach Schlaganfall, Sprechapraxie Schlaganfall, Logopädie nach Hirninfarkt

Hochfrequente Therapie in den ersten 6 Monaten. Langfristiger Heilmittelbedarf beantragen. FEES bei Dysphagie-Verdacht. Aspirationspneumonie als Hauptrisiko beachten.

Logopädische Beschreibung – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

I63.9 ist der häufigste Schlaganfall-Code in der logopädischen Praxis. Der ischämische Hirninfarkt ist die Hauptursache für erworbene Aphasie bei Erwachsenen (~30% aller Schlaganfallpatienten entwickeln eine Aphasie). Das logopädische Spektrum umfasst: Aphasie (alle Formen: Global, Broca, Wernicke, Amnestisch, Leitungs- und transkortikale Aphasien), Dysarthrie, Sprechapraxie, Dysphagie (37-78% in der Akutphase) und kognitive Kommunikationsstörungen. Die Versorgungskette reicht von der Stroke Unit über Rehakliniken bis zur langfristigen ambulanten Therapie. Evidenzbasiert: Hochfrequente Therapie (mind. 5h/Woche) in den ersten Monaten zeigt die besten Ergebnisse.

Typische Störungsbilder – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Aphasie SP5 ca. 30% aller Schlaganfälle

Sprachstörung durch Schädigung der Sprachzentren. Wortfindung, Sprachverständnis, Lesen/Schreiben betroffen.

Dysarthrie SP6 ca. 20-30%

Undeutliches, verwaschenes Sprechen durch gestörte motorische Steuerung.

Sprechapraxie SP6 bei anteriorem Infarkt

Sprechplanung gestört: Suchbewegungen, inkonsistente Fehler, Sprechanstrengung.

Dysphagie SC 37-78% akut

Schluckstörung mit Aspirationsgefahr. Häufigste Todesursache nach Schlaganfall ist Aspirationspneumonie.

Kognitive Kommunikationsstörung SP5 v.a. bei rechtshemisphärischen Infarkten

Pragmatik, Aufmerksamkeit, Prosodie betroffen bei formal intakter Sprache.

Einfach erklärt:

Ein Schlaganfall entsteht, wenn ein Blutgefäß im Gehirn verstopft. Liegt der Schaden in der linken Gehirnhälfte, kann die Sprache betroffen sein – das nennt man Aphasie. Auch Schlucken und deutliches Sprechen können beeinträchtigt sein. Logopädie beginnt schon in der Klinik und begleitet Sie oft über Monate bis Jahre. Je intensiver die Therapie am Anfang, desto besser die Erholung.

Logopädische Relevanz – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Häufigkeit sehr hoch
Patient*innengruppe Erwachsene, v.a. >60 Jahre. Zunehmendes Auftreten auch bei Jüngeren.
Bedeutung Schlaganfall = häufigste Ursache für erworbene Sprach-/Sprechstörungen bei Erwachsenen.

Zugeordnete Diagnosegruppen – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.8-9

Leitsymptomatik:

SP5c (schwer) oder SP5b (mittel)

Wann verordnen:

Bei jeder Form von Aphasie oder kognitiver Kommunikationsstörung.

Begründung:

Aphasie nach Schlaganfall.

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.8-9: Zerebrovaskuläre Erkrankungen mit SC/SP5/SP6/ST1 als BVB.

Leitsymptomatik:

SCa oder SCb

Wann verordnen:

Bei Schluckproblemen. In der Akutphase oft dringlichstes Problem.

Begründung:

Dysphagie.

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.8-9

Leitsymptomatik:

SP6a (leicht) bis SP6c (schwer)

Wann verordnen:

Bei undeutlichem Sprechen oder Sprechapraxie.

Begründung:

Dysarthrie/Sprechapraxie.

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.8-9

Leitsymptomatik:

ST1

Wann verordnen:

Bei Heiserkeit/Stimmveränderung nach Schlaganfall.

Begründung:

Stimmstörung bei Rekurrensparese.

Evidenz-Klassifizierung:
Offiziell (HMK) Abgeleitet & verifiziert Praxisempfehlung Nicht offiziell Nicht geprüft

Grün = Direkt im offiziellen Heilmittelkatalog (G-BA). Blau = Aus offiziellen Quellen ableitbar. Orange = Klinisch sinnvolle Ergänzung.

Verordnung & Praxistipps – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Typische Erstverordnung – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Diagnosegruppe SP5
Leitsymptomatik SP5c
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 2-3x wöchentlich
Therapiedauer 60 Min.

Häufige Verordnungsfehler – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

  • Nur SP5 verordnet, obwohl SC (Dysphagie) dringend nötig
  • Zu niedrige Frequenz (1x/Woche) in den ersten 6 Monaten
  • Langfristigen Heilmittelbedarf nicht beantragt
  • 60-Minuten-Einheiten nicht genutzt (bei SP5 ab SP5b möglich)
  • Folgeverordnung nicht rechtzeitig ausgestellt → Therapiepause

Tipps für Ärzt*innen – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

  • Bei Aphasie nach Schlaganfall: SP5 mit SP5b oder SP5c (60 Min. möglich!). Hochfrequent in den ersten Monaten (mind. 2x/Woche, besser 3x). Bei Dysphagie zusätzlich SC verordnen. Langfristigen Heilmittelbedarf beantragen → extrabudgetär! Folgeverordnung rechtzeitig ausstellen.

Tipps für Patient*innen & Angehörige – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

  • Die intensivste Phase der Erholung ist in den ersten Monaten – nutzen Sie diese Zeit für viel Logopädie. Sie haben Anspruch auf langfristige Verordnung. Aphasie-Selbsthilfegruppen sind eine wertvolle Ergänzung (www.aphasiker.de).

Extrabudgetärer Status – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

SP5 langfristiger_heilmittelbedarf

Logopädie bei Aphasie nach Schlaganfall kann langfristig verordnet werden, ohne das Arztbudget zu belasten.

SC langfristiger_heilmittelbedarf

Auch die Schlucktherapie kann als langfristiger Heilmittelbedarf extrabudgetär verordnet werden.

Therapieverlauf – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Therapiebeginn: Innerhalb 24h auf der Stroke Unit (Dysphagie-Screening)

Setting: Stroke Unit → Normalstation → Reha (Phase B-D) → ambulant

Therapieinhalte – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

  • Akut (Stroke Unit): Dysphagie-Screening innerhalb 24h. Kostformempfehlung. Trachealkanülen-Management. Erste Kommunikationsanbahnung bei schwerer Aphasie.
  • Früh-Reha (Phase B/C): Intensive Schlucktherapie, FEES-gestützt. Aphasie-Therapie beginnt. Dysarthrie-/Sprechapraxie-Therapie.
  • Reha (Phase D): Intensive Sprachtherapie (mind. 5x/Woche). Alltagsorientierte Übungen. Schreib-/Lesetraining. Angehörigenberatung.
  • Ambulant: 2-3x/Woche in den ersten 6 Monaten, dann 1-2x. Langfristige Konsolidierung. Selbsthilfegruppen empfehlen.
  • Angehörigenarbeit in jeder Phase: Kommunikationsstrategien, PACE-basierte Beratung.

Diagnostik – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Erstdiagnostik – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Test Zweck Zeitpunkt
Dysphagie-Screening (z.B. Daniels, GUSS) Aspirationsrisiko einschätzen Innerhalb 24h nach Aufnahme – vor erster oraler Nahrung
FEES (Fiberoptische Evaluation des Schluckens) Objektive Schluckdiagnostik Bei V.a. Dysphagie, vor Kostaufbau
AAT (Aachener Aphasie Test) oder ACL (Aachener Sprachanalyse) Aphasie-Typ und -Schweregrad Sobald Patient kooperationsfähig (oft Tag 3-7)
Frenchay Dysarthrie-Untersuchung Dysarthrie-Schwere und betroffene Subsysteme Erstbefund

Verlaufsdiagnostik – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Test Zweck Zeitpunkt
AAT-Verlauf / Token Test Sprachliche Erholung dokumentieren Alle 4-8 Wochen in der Frühphase, später alle 3-6 Monate
FEES-Kontrolle Schluckfunktion überprüfen, Kostaufbau steuern Bei klinischer Veränderung

Red Flags – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Erneute plötzliche Sprachverschlechterung oder neue neurologische Ausfälle Sofort Notarzt (112)

Re-Infarkt oder Blutungskomplikation. Time is Brain.

Verschlucken mit Husten/Fieber nach Schlaganfall Sofort zum Arzt

Aspirationspneumonie ist die häufigste Todesursache nach Schlaganfall.

Patient verschluckt sich nicht sichtbar, aber hat rezidivierendes Fieber FEES veranlassen

Stille Aspiration (ohne Hustenreflex) ist häufig und gefährlich.

Prognose – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Die stärkste Erholung findet in den ersten 3-6 Monaten statt (Spontanremission + Therapie). Aber: Fortschritte sind auch Jahre nach dem Schlaganfall noch möglich. Faktoren für gute Prognose: kleiner Infarkt, jüngeres Alter, gute Therapieintensität, keine Begleiterkrankungen. Globale Aphasie hat die schlechteste Prognose, amnestische Aphasie die beste.

Einflussfaktoren – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

  • Infarktgröße und -lokalisation
  • Aphasie-Typ und -Schweregrad
  • Alter
  • Therapieintensität und -frequenz
  • Begleiterkrankungen
  • Motivation und soziales Umfeld

Verwandte Codes – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Gleiche Diagnosegruppe – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Hämorrhagischer Schlaganfall – klinisch ähnlich

Für chronische Phase nach Schlaganfall

Differentialdiagnosen – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

G30.9 – Alzheimer-Demenz

Schleichender Sprachabbau vs. plötzlicher Beginn bei Schlaganfall

Häufige Fragen – I63.9 Hirninfarkt, nicht näher bezeichnet

Kann Sprache nach einem Schlaganfall zurückkommen?

Ja. Viele Patienten erholen sich teilweise oder sogar weitgehend, besonders bei intensiver Logopädie in den ersten Monaten. Fortschritte sind auch Jahre später noch möglich.

Wie oft sollte ich Logopädie bekommen?

In den ersten 6 Monaten idealerweise 2-3x pro Woche, bei schwerer Aphasie täglich in der Reha. Danach kann die Frequenz reduziert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Aphasie und Dysarthrie?

Aphasie ist eine Sprachstörung – die Wörter und Grammatik sind im Kopf durcheinander. Dysarthrie ist eine Sprechstörung – die Wörter sind da, aber die Aussprache ist undeutlich.

Muss ich die Logopädie selbst bezahlen?

Nein. Bei Aphasie nach Schlaganfall kann langfristiger Heilmittelbedarf beantragt werden. Das bedeutet: Die Krankenkasse zahlt, und die Verordnung belastet nicht das Arztbudget.

Was kann ich als Angehöriger tun?

Langsam und einfach sprechen. Geduld haben. Nicht verbessern oder Wörter vorsagen, wenn der Patient selbst probieren will. Logopädie-Übungen zu Hause unterstützen. Aphasie-Selbsthilfegruppe besuchen.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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