Logopädische Beschreibung – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
I69.3 ist der Code für die chronische Phase nach zerebrovaskulärem Ereignis. In der ambulanten Logopädie wird zunehmend auf I69.x-Codes umgestellt, wenn das Akutereignis länger zurückliegt. Logopädisch sind die Störungsbilder identisch mit der Akutphase, aber der Fokus verschiebt sich: von Restitution (Wiederherstellung) zu Kompensation (Umgang mit bleibenden Einschränkungen) und Partizipation (Teilhabe am Alltag). Wichtig: Auch in der chronischen Phase sind Fortschritte möglich und Logopädie indiziert.
Typische Störungsbilder – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Bleibende Sprachstörung nach Schlaganfall. Therapiefokus: Alltagskommunikation, Kompensation, Teilhabe.
Bleibende Sprechunverständlichkeit. Kompensationsstrategien.
Dauerhafte Kostanpassung oder fortlaufende Schlucktherapie.
Dieser Code wird verwendet, wenn der Schlaganfall schon länger zurückliegt, aber noch Sprachprobleme, Schluckprobleme oder Sprechprobleme bestehen. Auch nach Monaten und Jahren kann Logopädie noch helfen.
Logopädische Relevanz – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
| Häufigkeit | sehr hoch |
|---|---|
| Patient*innengruppe | Erwachsene in der chronischen Phase nach Schlaganfall. |
| Bedeutung | Häufigster Code in der ambulanten Aphasie-Therapie. |
Zugeordnete Diagnosegruppen – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
SP5b oder SP5c
Bei fortbestehender Aphasie.
Chronische Aphasie.
SCa
Bei bleibender Schluckstörung.
Chronische Dysphagie.
SP6a
Bei Dysarthrie.
Chronische Dysarthrie/Sprechapraxie.
KBV Diagnoseliste 2026 S.9
Verordnung & Praxistipps – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Typische Erstverordnung – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
| Diagnosegruppe | SP5 |
|---|---|
| Leitsymptomatik | SP5b |
| Behandlungseinheiten | 10 |
| Frequenz | 1-2x wöchentlich |
| Therapiedauer | 60 Min. |
Häufige Verordnungsfehler – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
- Langfristiger Heilmittelbedarf nicht beantragt – dabei ist I69.x + SP5 explizit auf der Liste
- 'Patient ist austherapiert' – stimmt fast nie, auch in der chronischen Phase sind Fortschritte möglich
- I63.9 statt I69.3 in der chronischen Phase – I69.x ist der korrekte Code für Folgezustände
Tipps für Ärzt*innen – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
- I69.x statt I63.9 verwenden in der chronischen Phase. Langfristigen Heilmittelbedarf beantragen – I69.x + SP5 steht auf der Diagnoseliste. 60-Minuten-Einheiten nutzen. Auch nach Jahren: Logopädie kann helfen.
Tipps für Patient*innen & Angehörige – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
- Auch wenn der Schlaganfall schon länger her ist: Logopädie kann weiterhin helfen. Sie haben Anspruch auf langfristige Verordnung. Fragen Sie Ihren Arzt nach dem langfristigen Heilmittelbedarf.
Extrabudgetärer Status – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Logopädie bei chronischer Aphasie nach Schlaganfall kann dauerhaft verordnet werden, ohne das Arztbudget zu belasten.
Auch die Schlucktherapie ist extrabudgetär verordnungsfähig.
Therapieverlauf – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Therapiebeginn: Nahtlos nach Reha oder bei Bedarf auch Jahre nach dem Ereignis
Setting: Ambulant
Therapieinhalte – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
- Alltagsorientierte Aphasie-Therapie (Kommunikation im Alltag verbessern)
- Kompensationsstrategien (Umschreiben, Gestik, Schreiben, Apps)
- UK-Versorgung bei schwerer Aphasie (Kommunikationsbücher, Talker)
- Teilhabeorientierte Therapie (Hobbys, Beruf, soziale Kontakte)
- Schriftsprachtherapie (Lesen/Schreiben wiederherstellen)
- Angehörigenberatung und Kommunikationstraining
- Empfehlung Aphasie-Selbsthilfegruppe
Diagnostik – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Erstdiagnostik – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| AAT, ANELT (Amsterdam-Nijmegen Everyday Language Test) | Kommunikationsfähigkeit im Alltag | Bei Übernahme |
Verlaufsdiagnostik – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Kommunikationsprofil, Angehörigenbefragung | Alltagsrelevanz der Therapie prüfen | Alle 3-6 Monate |
Red Flags – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Re-Infarkt ausschließen.
Beginnende Demenz? Vaskuläre Enzephalopathie?
Prognose – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Auch in der chronischen Phase (>6 Monate) sind Verbesserungen möglich. Intensive Therapiephasen (z.B. 2-3 Wochen CIAT) können auch Jahre nach dem Schlaganfall messbare Fortschritte bringen. Der Fokus verschiebt sich von Restitution zu Kompensation und Teilhabe.
Einflussfaktoren – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
- Schweregrad der Restaphasie
- Therapieintensität
- Motivation
- Soziales Umfeld
- Kognitive Begleitdefizite
Verwandte Codes – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Gleiche Diagnosegruppe – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Häufige Fragen – I69.3 Folgen eines Hirninfarktes
Was ist der Unterschied zwischen I63.9 und I69.3?
I63.9 ist der Code für das akute Ereignis, I69.3 für die Langzeitfolgen. In der ambulanten Logopädie sollte nach der Akutphase auf I69.3 umgestellt werden.
Lohnt sich Logopädie auch noch nach Jahren?
Ja. Studien zeigen, dass auch Jahre nach dem Schlaganfall Fortschritte möglich sind, besonders bei intensiven Therapiephasen. Und: Logopädie hilft auch beim Umgang mit der Aphasie im Alltag.
Was ist langfristiger Heilmittelbedarf?
Bei bestimmten Diagnosen (z.B. Aphasie nach Schlaganfall) kann der Arzt langfristigen Heilmittelbedarf genehmigen. Das bedeutet: Sie bekommen dauerhaft Logopädie, und die Verordnung belastet nicht das Arztbudget.