Logopädische Beschreibung – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
I69.4 ist der Code für die chronische Phase nach zerebrovaskulärem Ereignis. In der ambulanten Logopädie wird zunehmend auf I69.x-Codes umgestellt, wenn das Akutereignis länger zurückliegt. Logopädisch sind die Störungsbilder identisch mit der Akutphase, aber der Fokus verschiebt sich: von Restitution (Wiederherstellung) zu Kompensation (Umgang mit bleibenden Einschränkungen) und Partizipation (Teilhabe am Alltag). Wichtig: Auch in der chronischen Phase sind Fortschritte möglich und Logopädie indiziert.
Typische Störungsbilder – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Bleibende Sprachstörung nach Schlaganfall. Therapiefokus: Alltagskommunikation, Kompensation, Teilhabe.
Bleibende Sprechunverständlichkeit. Kompensationsstrategien.
Dauerhafte Kostanpassung oder fortlaufende Schlucktherapie.
Dieser Code wird verwendet, wenn der Schlaganfall schon länger zurückliegt, aber noch Sprachprobleme, Schluckprobleme oder Sprechprobleme bestehen. Auch nach Monaten und Jahren kann Logopädie noch helfen.
Logopädische Relevanz – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
| Häufigkeit | sehr hoch |
|---|---|
| Patient*innengruppe | Erwachsene in der chronischen Phase nach Schlaganfall. |
| Bedeutung | Häufigster Code in der ambulanten Aphasie-Therapie. |
Zugeordnete Diagnosegruppen – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
SP5b oder SP5c
Bei fortbestehender Aphasie.
Chronische Aphasie.
SCa
Bei bleibender Schluckstörung.
Chronische Dysphagie.
SP6a
Bei Dysarthrie.
Chronische Dysarthrie/Sprechapraxie.
KBV-Diagnoseliste, Stand 01.01.2026 (Anlage 2 HeilM-RL / Anhang 1 Rahmenvorgaben § 106b Abs. 2 SGB V)
Heilmittel, Höchstmengen und Vordruck je Diagnosegruppe – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
| Heilmittel | Sprachtherapie |
|---|---|
| Einzeltherapie | 30, 45 oder 60 Min. |
| Gruppentherapie | 45 oder 90 Min. |
| Höchstmenge je Verordnung | 20 |
| Langfristiger / besonderer Bedarf | 12-Wochen-Regel bei langfristigem/besonderem Bedarf (verordnete Frequenz maßgeblich) |
| Verordner | Arzt |
| Vordruck | Muster 13 |
| Heilmittel | Schlucktherapie |
|---|---|
| Einzeltherapie | 30, 45 oder 60 Min. |
| Höchstmenge je Verordnung | 10 |
| Langfristiger / besonderer Bedarf | 12-Wochen-Regel bei langfristigem/besonderem Bedarf (verordnete Frequenz maßgeblich) |
| Verordner | Arzt |
| Vordruck | Muster 13 |
| Heilmittel | Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie |
|---|---|
| Einzeltherapie | 30, 45 oder 60 Min. |
| Gruppentherapie | 45 oder 90 Min. |
| Höchstmenge je Verordnung | 20 |
| Langfristiger / besonderer Bedarf | 12-Wochen-Regel bei langfristigem/besonderem Bedarf (verordnete Frequenz maßgeblich) |
| Verordner | Arzt |
| Vordruck | Muster 13 |
| Heilmittel | Stimmtherapie |
|---|---|
| Einzeltherapie | 30, 45 oder 60 Min. |
| Gruppentherapie | 45 oder 90 Min. |
| Höchstmenge je Verordnung | 10 |
| Langfristiger / besonderer Bedarf | 12-Wochen-Regel bei langfristigem/besonderem Bedarf (verordnete Frequenz maßgeblich) |
| Verordner | Arzt |
| Vordruck | Muster 13 |
Verordnung & Praxistipps – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Typische Erstverordnung – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
| Diagnosegruppe | SP5 |
|---|---|
| Leitsymptomatik | SP5b |
| Behandlungseinheiten | 10 |
| Frequenz | 1-2x wöchentlich |
| Therapiedauer | 60 Min. |
| Hausbesuch | Ggf. bei eingeschränkter Mobilität |
| Dringlicher Behandlungsbedarf | Nein |
| Therapiebericht | Ja |
Häufige Verordnungsfehler – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
- Langfristiger Heilmittelbedarf nicht beantragt, dabei ist I69.x + SP5 explizit auf der Liste
- 'Patient ist austherapiert', stimmt fast nie, auch in der chronischen Phase sind Fortschritte möglich
- I63.9 statt I69.3 in der chronischen Phase, I69.x ist der korrekte Code für Folgezustände
Tipps für Ärzt*innen – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
- I69.x statt I64 verwenden in der chronischen Phase. Langfristigen Heilmittelbedarf beantragen, I69.x + SP5 steht auf der Diagnoseliste. 60-Minuten-Einheiten nutzen. Auch nach Jahren: Logopädie kann helfen.
Tipps für Patient*innen & Angehörige – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
- Auch wenn der Schlaganfall schon länger her ist: Logopädie kann weiterhin helfen. Sie haben Anspruch auf langfristige Verordnung. Fragen Sie Ihren Arzt nach dem langfristigen Heilmittelbedarf.
Extrabudgetärer Status – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Diese Diagnose ist als besonderer Verordnungsbedarf anerkannt (längstens 1 Jahr nach Akutereignis). In diesem Rahmen belastet die Verordnung das Budget der ärztlichen Praxis nicht.
Bedingung: längstens 1 Jahr nach Akutereignis
Bedingung: längstens 1 Jahr nach Akutereignis
Bedingung: längstens 1 Jahr nach Akutereignis
Bedingung: längstens 1 Jahr nach Akutereignis
I69.x-Codes sind ideal für langfristigen Heilmittelbedarf. Unbedingt beantragen.
Therapieverlauf – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Therapiebeginn: Nahtlos nach Reha oder bei Bedarf auch Jahre nach dem Ereignis
Setting: Ambulant
Frequenz: 1-2x pro Woche, langfristig
Besonderheiten: In der chronischen Phase rückt die Teilhabe in den Vordergrund. ICF-orientierte Therapieziele setzen. Auch scheinbar 'austherapierte' Patienten können von Therapie profitieren, besonders von intensiven Therapiephasen (z.B. CIAT/ILAT).
Therapieinhalte – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
- Alltagsorientierte Aphasie-Therapie (Kommunikation im Alltag verbessern)
- Kompensationsstrategien (Umschreiben, Gestik, Schreiben, Apps)
- UK-Versorgung bei schwerer Aphasie (Kommunikationsbücher, Talker)
- Teilhabeorientierte Therapie (Hobbys, Beruf, soziale Kontakte)
- Schriftsprachtherapie (Lesen/Schreiben wiederherstellen)
- Angehörigenberatung und Kommunikationstraining
- Empfehlung Aphasie-Selbsthilfegruppe
Diagnostik – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Erstdiagnostik – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| AAT, ANELT (Amsterdam-Nijmegen Everyday Language Test) | Kommunikationsfähigkeit im Alltag | Bei Übernahme |
Verlaufsdiagnostik – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Kommunikationsprofil, Angehörigenbefragung | Alltagsrelevanz der Therapie prüfen | Alle 3-6 Monate |
Red Flags – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Re-Infarkt ausschließen.
Beginnende Demenz? Vaskuläre Enzephalopathie?
Prognose – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Auch in der chronischen Phase (>6 Monate) sind Verbesserungen möglich. Intensive Therapiephasen (z.B. 2-3 Wochen CIAT) können auch Jahre nach dem Schlaganfall messbare Fortschritte bringen. Der Fokus verschiebt sich von Restitution zu Kompensation und Teilhabe.
Einflussfaktoren – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
- Schweregrad der Restaphasie
- Therapieintensität
- Motivation
- Soziales Umfeld
- Kognitive Begleitdefizite
Hinweise aus den Leitlinien – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Therapieintensität (Leitlinie DGN/AWMF 030/090, Rehabilitation aphasischer Störungen nach Schlaganfall): Restitutive Sprachtherapie ist bei nur 2 Stunden pro Woche nicht wirksam; nachweislich wirksam ist eine Intensität von 5 bis 10 Stunden pro Woche über 8 bis 12 Wochen (Empfehlungsgrad hoch). Uebungstherapie soll bereits in der frühen Spontanerholungsphase beginnen und möglichst täglich stattfinden. In der Kassenpraxis wird diese Intensität üblicherweise über intensive Therapieblöcke (z.B. CIAT) erreicht.
Verwandte Codes – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Gleiche Diagnosegruppe – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Weitere Codes der Diagnosegruppe SP5 – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Häufige Fragen – I69.4 Folgen eines Schlaganfalls, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet
Was ist der Unterschied zwischen I64 und I69.4?
I64 ist der Code für das akute Ereignis, I69.4 für die Langzeitfolgen. In der ambulanten Logopädie sollte nach der Akutphase auf I69.4 umgestellt werden.
Lohnt sich Logopädie auch noch nach Jahren?
Ja. Studien zeigen, dass auch Jahre nach dem Schlaganfall Fortschritte möglich sind, besonders bei intensiven Therapiephasen. Und: Logopädie hilft auch beim Umgang mit der Aphasie im Alltag.
Was ist langfristiger Heilmittelbedarf?
Bei bestimmten Diagnosen (z.B. Aphasie nach Schlaganfall) kann der Arzt langfristigen Heilmittelbedarf genehmigen. Das bedeutet: Sie bekommen dauerhaft Logopädie, und die Verordnung belastet nicht das Arztbudget.