Logopädie Praxis Kosmos
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Verordnungsfähig

Offiziell im Heilmittelkatalog. Diagnosegruppe: SP1. Verordnung eindeutig.

KBV Diagnoseliste 2026 S.17: Q90.2 als LHB.

Q90.2 – Trisomie 21 durch Translokation

Auch gesucht unter: Q90.2 Logopädie, Translokation Down-Syndrom, Trisomie 21 Translokation Sprache

Frühförderung ab Säuglingsalter. GuK-Gebärden als Brücke. Regelmäßige HNO-Kontrollen. Langfristiger Heilmittelbedarf.

Logopädische Beschreibung – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Q90.2 beschreibt die Translokations-Trisomie 21 (ca. 3-4%): Das zusätzliche Chromosom-21-Material ist an ein anderes Chromosom angelagert. Logopädisch kein Unterschied zur Vollform (Q90.0). Siehe Q90.9.

Typische Störungsbilder – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Sprachentwicklungsverzögerung SP1 nahezu 100%

Verzögerter Sprechbeginn, eingeschränkter Wortschatz, Dysgrammatismus. Rezeptiv besser als expressiv.

Orofaziale Dysfunktion/Hypotonie SP1 nahezu 100%

Muskuläre Hypotonie im Mundbereich: offene Mundhaltung, Zungenprotrusion, Speichelfluss, Trinkschwäche.

Artikulationsstörung SP1 sehr häufig

Häufig schwer verständliche Aussprache durch Hypotonie und eingeschränkte orale Motorik.

Stimmstörung ST1 häufig (bis 70%)

Raue, heisere Stimme. Stimmlippenknötchen oder -ödeme häufig.

Hörstörung (Folge) SP1 60-80%

Chronische Paukenergüsse und Schallleitungshörverluste verschlechtern die Sprachentwicklung zusätzlich.

Fütterstörung/Dysphagie SC häufig im Säuglings-/Kleinkindalter

Trinkschwäche, gestörter Mundschluss, verzögerte Umstellung auf feste Kost.

Einfach erklärt:

Eine seltene Form des Down-Syndroms. Für die Logopädie gelten die gleichen Informationen wie bei Q90.9.

Logopädische Relevanz – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Häufigkeit hoch
Patient*innengruppe Kinder ab Säuglingsalter, langfristige Begleitung bis Jugendalter und darüber hinaus.
Bedeutung Häufigste genetische Ursache für Sprachentwicklungsstörungen. Inzidenz ca. 1:800 Geburten. Nahezu alle Kinder mit Trisomie 21 erhalten Logopädie.

Zugeordnete Diagnosegruppen – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.17: Q90.x mit SP1/SP3/RE1/SC als LHB.

Leitsymptomatik:

SP1b

Wann verordnen:

Bei allen Kindern mit Down-Syndrom und Sprachentwicklungsverzögerung – also fast immer.

Begründung:

Sprachentwicklungsstörung als Hauptindikation.

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.17

Begründung:

KBV Diagnoseliste 2026 S.17

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.17

Begründung:

KBV Diagnoseliste 2026 S.17

Quelle: KBV Diagnoseliste 2026 S.17

Leitsymptomatik:

SC1

Wann verordnen:

Bei Trinkschwäche, Fütterproblematik, gestörter Nahrungsaufnahme.

Begründung:

Schluckstörung bei Säuglingen und Kleinkindern.

Quelle: Rhinophonie bei Down-Syndrom klinisch häufig. Nicht offiziell gelistet.

Begründung:

Rhinophonie bei Down-Syndrom klinisch häufig. Nicht offiziell gelistet.

Evidenz-Klassifizierung:
Offiziell (HMK) Abgeleitet & verifiziert Praxisempfehlung Nicht offiziell Nicht geprüft

Grün = Direkt im offiziellen Heilmittelkatalog (G-BA). Blau = Aus offiziellen Quellen ableitbar. Orange = Klinisch sinnvolle Ergänzung.

Verordnung & Praxistipps – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Typische Erstverordnung – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Diagnosegruppe SP1
Leitsymptomatik SP1b
Behandlungseinheiten 10
Frequenz 1-2x wöchentlich
Therapiedauer 45 Min.

Häufige Verordnungsfehler – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

  • Logopädie erst ab 3-4 Jahren verordnet – zu spät, orofaziale Frühförderung ab Säuglingsalter beginnen
  • Kein regelmäßiger HNO-Befund – Hörverlust wird übersehen
  • Nur SP1 verordnet, obwohl auch SC (Schlucken) nötig wäre

Tipps für Ärzt*innen – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

  • Logopädie so früh wie möglich verordnen (SP1b). Regelmäßige HNO-Kontrollen einplanen. Bei Trinkschwäche zusätzlich SC verordnen. Langfristigen Heilmittelbedarf beantragen.

Tipps für Patient*innen & Angehörige – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

  • Logopädie kann schon im Babyalter beginnen – mit Mundübungen und Essbegleitung. Gebärden helfen als Brücke, bis Ihr Kind sprechen kann. Regelmäßige Ohrenuntersuchungen sind wichtig, weil Hörprobleme häufig sind und das Sprechenlernen zusätzlich erschweren.

Extrabudgetärer Status – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

SP1

Reguläres Budget. Langfristiger Heilmittelbedarf beantragen. Kinder zuzahlungsfrei.

Therapieverlauf – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Therapiebeginn: Idealerweise ab dem Säuglingsalter (3-6 Monate) als Frühförderung

Setting: Frühförderstelle, ambulante Praxis, Hausbesuch

Therapieinhalte – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

  • Orofaziale Stimulation nach Castillo-Morales: Mundschluss, Zungenruhelage, Speichelkontrolle
  • Ess-/Trinkbegleitung: Stillen/Flasche, Breieinführung, Kauen lernen
  • Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK) als Brücke zum Sprechen
  • Sprachanbahnung: Erste Wörter, Lautimitation
  • Wortschatzaufbau mit visueller Unterstützung (Bilder, Gebärden, Schriftbild)
  • Grammatikförderung: Satzlänge erweitern, Morphologie anbahnen
  • Artikulationstherapie: Mundmotorik und Lautbildung
  • Leseförderung als Sprachförderung (Ganzwortlesen nach Oelwein-Methode)
  • Pragmatik: Gesprächsregeln, Erzählfähigkeit

Diagnostik – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Erstdiagnostik – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Test Zweck Zeitpunkt
Orofazialer Befund (Mundmotorik, Tonus, Speichelkontrolle) Orofaziale Ausgangslage dokumentieren Erstbefund
Sprachentwicklungsdiagnostik (SETK, PDSS, ELFRA) Sprachentwicklungsstand erheben Ab ca. 2 Jahren
Hörbefund vom HNO/Pädaudiologen Hörverlust ausschließen/quantifizieren Regelmäßig, mindestens jährlich

Verlaufsdiagnostik – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Test Zweck Zeitpunkt
Regelmäßige Sprachentwicklungskontrolle Fortschritt dokumentieren und Therapieziele anpassen Alle 6-12 Monate
Verständlichkeitsbewertung Artikulationsfortschritt objektivieren Regelmäßig

Red Flags – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Säugling mit Down-Syndrom trinkt nicht oder nur sehr schlecht Sofort

Trinkschwäche kann schwerwiegend sein. Logopädische Essbegleitung und ggf. Stillberatung sofort einleiten.

Kind mit Down-Syndrom hört plötzlich schlechter oder spricht weniger HNO-Kontrolle zeitnah

Paukenergüsse können sich schnell entwickeln und die Sprachentwicklung zurückwerfen.

Atlantoaxiale Instabilität diagnostiziert Orthopädische Abklärung vor Kopfüberstreckung in der Therapie

Bei ca. 10-20% der Kinder mit Down-Syndrom instabil – Vorsicht bei Kopfhaltung in der orofazialen Therapie.

Heiserkeit über mehr als 3 Wochen Phoniatrische Abklärung

Stimmlippenbefunde bei Down-Syndrom häufig – nicht einfach als 'typisch' abtun.

Prognose – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Die große Mehrheit der Kinder mit Down-Syndrom lernt sprechen. Der Zeitpunkt der ersten Wörter liegt oft bei 2-3 Jahren, Zwei-Wort-Sätze mit 3-4 Jahren. Die Verständlichkeit bleibt häufig eingeschränkt, verbessert sich aber über Jahre. Die rezeptive Sprache ist meist deutlich besser als die expressive. Viele Erwachsene mit Down-Syndrom kommunizieren alltagstauglich verbal, benötigen aber ggf. weiterhin Unterstützung.

Einflussfaktoren – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

  • Grad der kognitiven Beeinträchtigung (große individuelle Varianz)
  • Hörstatus (chronische Paukenergüsse verschlechtern die Prognose)
  • Zeitpunkt des Therapiebeginns
  • Einsatz von Gebärden als Brücke
  • Familiäre Förderung und Kommunikationsumgebung
  • Leseförderung (unterstützt die Sprachentwicklung)

Verwandte Codes – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Differentialdiagnosen – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Manchmal als Erstdiagnose vor der genetischen Bestätigung

Häufige Fragen – Q90.2 Trisomie 21 durch Translokation

Hat die Translokationsform Einfluss auf die Sprachentwicklung?

Nein. Die Art der genetischen Veränderung (Vollform, Mosaik, Translokation) hat für die logopädische Therapie keine direkte Bedeutung. Entscheidend ist das individuelle Entwicklungsprofil.

Quellen & weiterführende Links

Gepflegt und geprüft von Logopädie-Expert*innen von Logopädie Kosmos

Unser Fachteam: Logopäd*innen (Staatsexamen, B.Sc.), Patholinguist*innen (B.Sc., M.Sc.) und Akademische Sprachtherapeut*innen (B.Sc., M.A.) – mit langjähriger Erfahrung in Praxis, Klinik und Lehre. Alle Inhalte basieren auf der aktuellen Heilmittel-Richtlinie des G-BA sowie AWMF-Leitlinien und werden regelmäßig aktualisiert.

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