Codewahl & Abgrenzung – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Codewahl nach radiologischem/klinischem Befund: S06.3 = umschriebene (fokale) Hirnverletzung (z.B. Contusio cerebri); S06.2 = diffuse Hirnverletzung (z.B. diffuse axonale Schädigung). Die logopädischen Folgen (Dysarthrie, Dysphagie, kognitive Kommunikationsstörung) sind weitgehend identisch.
Logopädische Beschreibung – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Das SHT verursacht je nach Schwere und Lokalisation: Dysarthrie, Dysphagie (häufig in Akutphase, Trachealkanüle), kognitive Kommunikationsstörung (häufigste logopädische Folge nach mittelschwerem/schwerem SHT: Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Exekutivfunktionen beeinträchtigen Kommunikation), seltener Aphasie. Bei Kindern: erworbene Sprach-/Sprechstörung mit Regression. Die kognitive Kommunikationsstörung wird oft übersehen, weil die Sprache formal intakt erscheint.
Typische Störungsbilder – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Exekutivfunktionen, Pragmatik.
Verwaschenes Sprechen.
Aspirationsgefahr, oft Trachealkanüle.
Bei linkshemisphärischer Kontusion.
Nach einem Schädel-Hirn-Trauma können Sprechen, Schlucken und die Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt sein. Auch wenn die Sprache wieder gut klingt, können Konzentration und Gedächtnis die Kommunikation im Alltag erschweren. Logopädie hilft in allen Phasen.
Logopädische Relevanz – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
| Häufigkeit | hoch |
|---|---|
| Patient*innengruppe | Junge Erwachsene (Unfälle), ältere (Stürze), Kinder. |
| Bedeutung | Häufigste Ursache für erworbene Hirnschädigung bei jungen Erwachsenen. |
Zugeordnete Diagnosegruppen – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
SP5b oder SP5c
Bei kommunikativen Defiziten.
Kognitive Kommunikationsstörung/Aphasie.
SP6a
Bei Dysarthrie.
Dysarthrie.
SCb
Bei Schluckstörung/Trachealkanüle.
Dysphagie.
HMK ST1: Stimmstörung nach SHT.
Heilmittel, Höchstmengen und Vordruck je Diagnosegruppe – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
| Heilmittel | Sprachtherapie |
|---|---|
| Einzeltherapie | 30, 45 oder 60 Min. |
| Gruppentherapie | 45 oder 90 Min. |
| Höchstmenge je Verordnung | 20 |
| Langfristiger / besonderer Bedarf | 12-Wochen-Regel bei langfristigem/besonderem Bedarf (verordnete Frequenz maßgeblich) |
| Verordner | Arzt |
| Vordruck | Muster 13 |
| Heilmittel | Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie |
|---|---|
| Einzeltherapie | 30, 45 oder 60 Min. |
| Gruppentherapie | 45 oder 90 Min. |
| Höchstmenge je Verordnung | 20 |
| Langfristiger / besonderer Bedarf | 12-Wochen-Regel bei langfristigem/besonderem Bedarf (verordnete Frequenz maßgeblich) |
| Verordner | Arzt |
| Vordruck | Muster 13 |
| Heilmittel | Schlucktherapie |
|---|---|
| Einzeltherapie | 30, 45 oder 60 Min. |
| Höchstmenge je Verordnung | 10 |
| Langfristiger / besonderer Bedarf | 12-Wochen-Regel bei langfristigem/besonderem Bedarf (verordnete Frequenz maßgeblich) |
| Verordner | Arzt |
| Vordruck | Muster 13 |
| Heilmittel | Stimmtherapie |
|---|---|
| Einzeltherapie | 30, 45 oder 60 Min. |
| Gruppentherapie | 45 oder 90 Min. |
| Höchstmenge je Verordnung | 10 |
| Langfristiger / besonderer Bedarf | 12-Wochen-Regel bei langfristigem/besonderem Bedarf (verordnete Frequenz maßgeblich) |
| Verordner | Arzt |
| Vordruck | Muster 13 |
Verordnung & Praxistipps – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Typische Erstverordnung – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
| Diagnosegruppe | SP5 |
|---|---|
| Leitsymptomatik | SP5c |
| Behandlungseinheiten | 10 |
| Frequenz | 2-3x wöchentlich |
| Therapiedauer | 45-60 Min. |
| Hausbesuch | Ggf. |
| Dringlicher Behandlungsbedarf | Ja |
| Therapiebericht | Ja |
Häufige Verordnungsfehler – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
- Kognitive Kommunikationsstörung nicht erkannt
- Nur SC verordnet, SP5 vergessen
Tipps für Ärzt*innen – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
- SP5 auch verordnen wenn Sprache 'normal' klingt, kognitive Kommunikation prüfen. Langfristiger Heilmittelbedarf.
Tipps für Patient*innen & Angehörige – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
- Nach SHT kann die Kommunikation schwierig sein, auch wenn die Sprache wieder gut klingt. Konzentration und Gedächtnis sind oft betroffen.
Extrabudgetärer Status – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Diese Diagnose steht nicht auf der KBV-Diagnoseliste für langfristigen Heilmittelbedarf oder besonderen Verordnungsbedarf. Logopädie ist regulär verordnungsfähig, sofern die Voraussetzungen des Heilmittelkatalogs erfüllt sind.
Langfristiger Heilmittelbedarf.
Therapieverlauf – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Therapiebeginn: Intensivstation
Setting: Intensiv → Reha (Phase B-D) → ambulant
Frequenz: Akut/Reha: täglich. Ambulant: 2-3x/Woche.
Besonderheiten: Kognitive Kommunikationsstörung wird oft übersehen, Patient spricht 'normal', kann aber Gesprächen nicht folgen. Verhaltensauffälligkeiten (Enthemmung, Aggressivität) nach SHT können Therapie erschweren.
Therapieinhalte – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
- Akut: Trachealkanülen-Management, Dysphagie, Kommunikationsanbahnung
- Reha: Kognitive Kommunikationstherapie, Dysarthrie, Schlucktherapie
- Ambulant: Alltagstransfer, Teilhabe, Berufliche Reintegration
- Bei Kindern: Sprachentwicklung begleiten
Diagnostik – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Erstdiagnostik – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| FEES, Dysarthrie-Diagnostik, kognitive Kommunikationsdiagnostik | Alle Bereiche prüfen | Akut und Reha |
Verlaufsdiagnostik – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
| Test | Zweck | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Regelmäßig | Erholung dokumentieren | Alle 4-8 Wochen |
Red Flags – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Nachblutung/Hydrozephalus?
Prognose – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Erholung über Monate bis Jahre. Jüngere erholen sich besser. Kognitive Kommunikationsstörung kann langfristig die größte Einschränkung sein.
Einflussfaktoren – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
- Schweregrad (GCS)
- Alter
- Begleitverletzungen
- Therapieintensität
Verwandte Codes – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Gleiche Diagnosegruppe – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Weitere Codes der Diagnosegruppe SP5 – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Häufige Fragen – S06.2 Diffuse Hirnverletzung
Was ist eine kognitive Kommunikationsstörung?
Die Sprache selbst ist OK, aber Konzentration, Gedächtnis und Denkfähigkeit sind beeinträchtigt. Das erschwert Gespräche im Alltag, z.B. dem roten Faden folgen, sich erinnern oder angemessen reagieren.