Fachliche Beschreibung – OFZ Orofaziale Funktionsstörungen
Störungen der orofazialen Funktion OHNE Beeinträchtigung der Artikulation (des Sprechens). Indiziert bei/nach Traumata im Zahn-, Mund- und Kieferbereich, Tumor-Operationen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich, orthognathen Operationen, angeborenen cranio- und orofazialen Fehlbildungen sowie bei Zahn- und Kieferfehlstellungen während der Wachstumsphase und in den Ausnahmefällen schwerer Kieferanomalien gemäß KFO-Richtlinie (Abschnitt B Nr. 4 Satz 2 und 3). Beispiele: habituelle Mundatmung, orale Habits (Daumenlutschen, Lippenbeißen, Wangenbeißen).
Einfach erklärt
OFZ wird vom Zahnarzt verordnet, wenn die Mundmuskulatur nicht richtig funktioniert, aber das Sprechen selbst nicht betroffen ist. Das betrifft z.B. gewohnheitsmäßiges Mundatmen, Daumenlutschen, Lippenbeißen oder eine falsche Zungenruhelage. Oft wird OFZ begleitend zu einer Zahnspangen-Behandlung verordnet, damit die Mundmuskulatur das kieferorthopädische Ergebnis unterstützt.
Leitsymptomatiken – OFZ Orofaziale Funktionsstörungen
Störungen der orofazialen Funktion ohne Beeinträchtigung der Artikulation
Orofaziale Dysfunktionen wie habituelle Mundatmung, orale Habits (Daumenlutschen, Lippenbeißen, Wangenbeißen, Zungenpressen), inkompetenter Lippenschluss, falsche Zungenruhelage, muskuläre Dysbalancen im orofazialen System ohne Auswirkung auf die Lautbildung.
Typische Therapieziele:
- Funktionsverbesserung/Veränderung des Funktionsmusters
- Wiederherstellung/Normalisierung der physiologischen Muskelfunktion
- Wiedererlangung der Muskelbalance im orofazialen System
- Umstellung von Mund- auf Nasenatmung
- Abgewöhnung oraler Habits
- Korrektur der Zungenruhelage
Beispielindikationen – OFZ Orofaziale Funktionsstörungen
- Habituelle Mundatmung bei Kieferanomalie
- Orale Habits (Daumenlutschen, Lippenbeißen) bei Zahnfehlstellung
- Orofaziale Dysfunktion begleitend zur kieferorthopädischen Behandlung
- Lippenschlussinsuffizienz bei cranio-/orofazialer Fehlbildung
- Orofaziale Funktionsstörung nach Tumor-OP im Mund-Kiefer-Bereich
- Muskuläre Dysbalance im orofazialen System nach orthognather OP
- Orofaziale Funktionsstörung bei schwerer Kieferanomalie (KFO-Richtlinie Ausnahmefälle)
Verordnungsfähige Heilmittel – OFZ Orofaziale Funktionsstörungen
| Heilmittel | Dauer |
|---|---|
| Sprech- und Sprachtherapie 30 | 30 Minuten |
| Sprech- und Sprachtherapie 45 | 45 Minuten |
| Sprech- und Sprachtherapie 60 | 60 Minuten |
Verordnungsmenge & Frequenz – OFZ Orofaziale Funktionsstörungen
| Höchstmenge je VO | 10 |
|---|---|
| Orient. Behandlungsmenge | 30 |
| Frequenzempfehlung | 1 bis 3 x wöchentlich |
Verordnungsbeispiel – OFZ Orofaziale Funktionsstörungen
| Indikationsschlüssel | OFZ |
|---|---|
| Diagnose (Freitext) | Habituelle Mundatmung und inkompetenter Lippenschluss bei frontal offenem Biss, begleitend zur KFO |
| Heilmittel | Sprech- und Sprachtherapie 30 |
| Menge | 10 x |
| Frequenz | 2 x wöchentlich |
Abgrenzung zu anderen Indikationen – OFZ Orofaziale Funktionsstörungen
OFZ hat im ärztlichen HMK keine direkte Entsprechung. Die myofunktionelle Therapie (MFT) wird ärztlich am ehesten über SP3 (Dyslalie) verordnet, wenn eine Artikulationsstörung vorliegt, oder über SF (Rhinophonie) bei Veluminsuffizienz. Rein orofaziale Funktionsstörungen ohne Sprech-/Stimmkomponente lassen sich ärztlich schwer verordnen – der zahnärztliche Weg über OFZ ist hier oft die bessere Option.
OFZ = OHNE Sprechbeeinträchtigung. Sobald die Artikulation betroffen ist → SPZ.
OFZ = OHNE Schluckbeeinträchtigung. Sobald ein Schluckdefizit vorliegt → SCZ.
OFZ darf bei Zahn- und Kieferfehlstellungen während der Wachstumsphase verordnet werden. Bei Erwachsenen NUR in den Ausnahmefällen schwerer Kieferanomalien gemäß KFO-Richtlinie (Abschnitt B Nr. 4 Satz 2 und 3), die kombinierte kieferchirurgische und kieferorthopädische Maßnahmen erfordern.
Red Flags – Achtung – OFZ Orofaziale Funktionsstörungen
- Mundatmung durch vergrößerte Adenoide/Tonsillen -> HNO-Arzt, nicht Zahnarzt
- Orofaziale Dysfunktion durch neurologische Ursache -> ärztliche Verordnung
- Sprechbeeinträchtigung vorhanden -> dann SPZ statt OFZ
- OFZ bei Erwachsenen ohne schwere Kieferanomalie -> keine Kassenleistung
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Häufige Fragen (FAQ) – OFZ Orofaziale Funktionsstörungen
Kann der Zahnarzt MFT (Myofunktionelle Therapie) verordnen?
Ja. Die Myofunktionelle Therapie fällt unter OFZ, wenn keine Sprechbeeinträchtigung vorliegt. Bei gleichzeitiger Artikulationsstörung wird SPZ verordnet. Der Zahnarzt wählt den Indikationsschlüssel nach dem klinischen Bild.
Wird OFZ bei Erwachsenen von der Kasse bezahlt?
OFZ bei Erwachsenen ist nur in Ausnahmefällen schwerer Kieferanomalien möglich, die kombinierte kieferchirurgische und kieferorthopädische Behandlung erfordern (gemäß KFO-Richtlinie). Bei Kindern in der Wachstumsphase ist die Verordnung einfacher möglich.
Mein Kind atmet durch den Mund – kann der Zahnarzt Logopädie verordnen?
Ja, wenn die Mundatmung mit einer Zahn-/Kieferfehlstellung zusammenhängt. Der Zahnarzt verordnet dann OFZ. Wichtig: Zuerst sollte ein HNO-Arzt abklären, ob die Mundatmung durch vergrößerte Mandeln oder Polypen verursacht wird – dann wäre eine ärztliche Verordnung nötig.
HeilM-RL ZÄ, Zweiter Teil, Abschnitt 2.3 (S.32). §§23-25 HeilM-RL ZÄ.